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Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra von Roberto Saviano

Gebundene Ausgabe von Hanser Belletristik
Preis bei Amazon: EUR 21,50, Angebote ab EUR 12,00

4 von 5 Punkten
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3446209492, Erscheinungsdatum: August 2007, Auflage: 1
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5 Kundenrezensionen:

non-fiction roman feat. glaubwürdigkeitsproblem
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
"Das Buch hat es in sich: Der Autor stammt aus Neapel. Saviano liefert Hintergründe - und er nennt Namen." ARD

Ich habe Gomorrha noch nicht durchgelesen. Ich muss aber jetzt schon lachen, sobald meine Augen über die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchcover streifen.
Er nennt Namen- und wie! Roberto Saviano scheint sich nicht zu schämen, über zwei Seiten (!!!) die Spitznamen der "Bosse" aufzuzählen und hier und da persönliche Interpretationen auf das Äußere oder den Charakter des Inhabers niederzuschreiben. Und wem das als Leser nicht reicht, dem verspreche ich auf jeder Seite mindestens zwei neue Namen, manchmal total aus dem Zusammenhang gerissen.

Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mehr über die moderne Mafia erfahren wollte.
"Das Resultat ist eine Mischung aus Reportage, Dokumentation und investigativem Journalismus." (Buchbeschreibung)
Das habe ich erwartet- und es gibt diese spannenden, erschreckenden Passagen des Buches:
Eingefrorene Billigarbeiter aus dem Ausland, Strukturen der Textilindustrie, Drogengeschäfte, die "Schwarzindustrie" im Süden Italiens.
Der Käufer wird jedoch entgegen der Beschreibung einen "Non-Fiction" Roman, wie Saviano sein Buch selber nennt, in den Händen halten.
Und damit bricht in meinen Augen das Fundament..
Roberto Saviano spielt an vielen Stellen mit seiner Glaubwürdigkeit. Er montiert Szenen (s. Interview: Roberto Savianos mit Fiona Ehlers), die aber nicht zum besseren Verständnis führen. In dem genannten Interview widerspricht er sich sogar selbst:
Im Buch berichtet er von Pasquale, einem begabten aber unterbezahlten Schneider für die untergrabene Modeindustrie, der den Auftrag erhält einen maßgeschneiderten Anzug zu fertigen und diesen später auf der Oscarverleihung an Angelina Jolie wiedererkennt. Aus verletztem Stolz stellt er seine guten Fähigkeiten nicht mehr zu Verfügung, liefert nur noch Waren aus und begegnet im weiteren Verlauf dem Autor hier und da rein zufällig auf offener Straße. Im Interview sagt Saviano, dass Pasquale von der Mafia strafversetzt wurde. Nur ein kleines Beispiel- aber was stimmt und was nicht?
Der Schreibstil gleicht auch eher der Beschreibung Savianos als der des Verlegers. Wer Sätze wie "Es riecht nach Fabrikschloten, aber es gibt keine Fabriken" mag, wird dieses Buch lieben.
Wird dem Hype nicht gerecht: Leider mit der Dauer äußerst ermüdend
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Das Buch ist mittlerweile schon so lange in den Medien, dass es einen irgendwann in Form eines Geschenkes einholt. Das Thema ist interessant, die (professionellen) Rezensionen im Hinterkopf und die Erwartungshaltung entsprechend. Zunächst enttäuscht Saviano diese auch nicht. Der Einstieg ist packend, die Schilderungen detailliert und drastisch. Seine Wut springt bald auf den Leser über. Das Problem: Saviano hat eigentlich recht schnell alles gesagt. Deshalb wiederholt er es immer wieder, neue Namen (die sich eh alle gleich anhören) und alte Geschichten. Schon nach ungefähr 100 Seiten ist dieser Punkt erreicht. Und von da an geht es mit der Qualität des Buches rapide bergab, es verkommt zu einer reinen Aufzählung. Deutlich merkt man, dass Saviano ein guter Journalist ist - aber eben kein guter Autor. Gegen Ende springt er hektisch von Thema zu Thema, ein roter Faden ist nicht mehr zu erkennen. Da ist das Buch längst zur Qual geworden, die Seiten erscheinen einem als Bleiwüsten angereichert mit endlos vielen italienischen Namen. Den medial erworbenen Vorschusslorbeeren kann dieses Buch allenfalls im Ansatz gerecht werden und ist (leider wieder einmal) ein etwas hohler PR-Hype.
Achtenswerte Motivation, unzureichende Umsetzung
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Zunächst: Dem Autor gebührt alle Hochachtung, die denkbar ist. Sich einer der weltweit aggressivsten Verbrecherorganisationen entgegen zu stellen, nötigt eine Verbeugung ab.
So hat man die Ehre, beinahe wöchentlich aus den Medien zu erfahren, was derartigen "Dissidenten" blüht: Geschäftslokale werden ohne lange zu fackeln abgefackelt, ganze Familien der Vendetta wegen ausgelöscht usw.
Dies sei klargestellt.

Der geneigte Rezensent kommt allerdings nicht umhin, an den handwerklichen Fähigkeiten des Autors zu mäkeln:
Es liest sich mühsam. Als Bettlektüre (und nicht ob der Schwere der Thematik) nicht zu empfehlen. Wie bereits von Kolleginnen und Kollegen wohl richtig konstatiert wurde: Der Autor neigt dazu, sich zu überschätzen. Als Journalist wohl richtig am Platz - die Recherchen sprechen ja für sich -, heißt dies allerdings noch nicht, auch für die Profession des Buchautors prädestiniert zu sein.

Zu schwerfällig der Duktus, zu selbstverliebt die Darstellung, die schwer einmal auf den Punkt kommt: der Autor verliert sich in der Wüste des eigenen Anspruchs.

Schade - daher leider nur bedingt zufriedenstellend.
Kurz und bündig bewertet...
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Meine kurze aber bündige Rezension:

+ die Darstellung der Reichweite und des Einflußes der Camorra, national und international... da sieht man Italien wieder mit anderen Augen

- die Masse an Namen, Spitznamen und Ortschaften, Verwandschaftsgraden und Beziehungen untereinander läßt einem während der Geschichte das Gesicht einschlafen
Die harte Realität im Reich der Camorra
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Das öffentliche Bild vom organisierten Verbrechen mag zwar von der sizilianischen Mafia geprägt sein, doch diese ist gegen die süditalienische Camorra, so der Autor, kaum mehr als ein Knabenchor. Roberto Saviano, der inzwischen im Untergrund lebt, erhielt für seine Recherchen zu diesem Buch 2006 den Premio Viareggio, einen italienischen Literaturpreis. Während die italienischen Juroren vermutlich ausreichend Hintergrundkenntnisse besitzen, um zwischen harten Fakten und Überzeichnung unterscheiden zu können, ist davon beim deutschen Otto-Normal-Leser höchstwahrscheinlich nicht auszugehen. Die Frage, wo Savionas Buch nun Roman und wo Sachbuch ist, kann der Laie kaum beantworten. Nicht zuletzt, weil die Kapitel in sich abgeschlossen sind und damit oft zusammenhanglos erscheinen. Der rote Faden versteckt sich hinter blutigen Anekdoten.
© 1998-2009 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
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Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra von Roberto Saviano

Broschiert von Dtv
Preis bei Amazon: EUR 9,90

4 von 5 Punkten
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3423345292, Erscheinungsdatum: Februar 2009
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5 Kundenrezensionen:

non-fiction roman feat. glaubwürdigkeitsproblem
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
"Das Buch hat es in sich: Der Autor stammt aus Neapel. Saviano liefert Hintergründe - und er nennt Namen." ARD

Ich habe Gomorrha noch nicht durchgelesen. Ich muss aber jetzt schon lachen, sobald meine Augen über die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchcover streifen.
Er nennt Namen- und wie! Roberto Saviano scheint sich nicht zu schämen, über zwei Seiten (!!!) die Spitznamen der "Bosse" aufzuzählen und hier und da persönliche Interpretationen auf das Äußere oder den Charakter des Inhabers niederzuschreiben. Und wem das als Leser nicht reicht, dem verspreche ich auf jeder Seite mindestens zwei neue Namen, manchmal total aus dem Zusammenhang gerissen.

Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mehr über die moderne Mafia erfahren wollte.
"Das Resultat ist eine Mischung aus Reportage, Dokumentation und investigativem Journalismus." (Buchbeschreibung)
Das habe ich erwartet- und es gibt diese spannenden, erschreckenden Passagen des Buches:
Eingefrorene Billigarbeiter aus dem Ausland, Strukturen der Textilindustrie, Drogengeschäfte, die "Schwarzindustrie" im Süden Italiens.
Der Käufer wird jedoch entgegen der Beschreibung einen "Non-Fiction" Roman, wie Saviano sein Buch selber nennt, in den Händen halten.
Und damit bricht in meinen Augen das Fundament..
Roberto Saviano spielt an vielen Stellen mit seiner Glaubwürdigkeit. Er montiert Szenen (s. Interview: Roberto Savianos mit Fiona Ehlers), die aber nicht zum besseren Verständnis führen. In dem genannten Interview widerspricht er sich sogar selbst:
Im Buch berichtet er von Pasquale, einem begabten aber unterbezahlten Schneider für die untergrabene Modeindustrie, der den Auftrag erhält einen maßgeschneiderten Anzug zu fertigen und diesen später auf der Oscarverleihung an Angelina Jolie wiedererkennt. Aus verletztem Stolz stellt er seine guten Fähigkeiten nicht mehr zu Verfügung, liefert nur noch Waren aus und begegnet im weiteren Verlauf dem Autor hier und da rein zufällig auf offener Straße. Im Interview sagt Saviano, dass Pasquale von der Mafia strafversetzt wurde. Nur ein kleines Beispiel- aber was stimmt und was nicht?
Der Schreibstil gleicht auch eher der Beschreibung Savianos als der des Verlegers. Wer Sätze wie "Es riecht nach Fabrikschloten, aber es gibt keine Fabriken" mag, wird dieses Buch lieben.
Wird dem Hype nicht gerecht: Leider mit der Dauer äußerst ermüdend
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Das Buch ist mittlerweile schon so lange in den Medien, dass es einen irgendwann in Form eines Geschenkes einholt. Das Thema ist interessant, die (professionellen) Rezensionen im Hinterkopf und die Erwartungshaltung entsprechend. Zunächst enttäuscht Saviano diese auch nicht. Der Einstieg ist packend, die Schilderungen detailliert und drastisch. Seine Wut springt bald auf den Leser über. Das Problem: Saviano hat eigentlich recht schnell alles gesagt. Deshalb wiederholt er es immer wieder, neue Namen (die sich eh alle gleich anhören) und alte Geschichten. Schon nach ungefähr 100 Seiten ist dieser Punkt erreicht. Und von da an geht es mit der Qualität des Buches rapide bergab, es verkommt zu einer reinen Aufzählung. Deutlich merkt man, dass Saviano ein guter Journalist ist - aber eben kein guter Autor. Gegen Ende springt er hektisch von Thema zu Thema, ein roter Faden ist nicht mehr zu erkennen. Da ist das Buch längst zur Qual geworden, die Seiten erscheinen einem als Bleiwüsten angereichert mit endlos vielen italienischen Namen. Den medial erworbenen Vorschusslorbeeren kann dieses Buch allenfalls im Ansatz gerecht werden und ist (leider wieder einmal) ein etwas hohler PR-Hype.
Achtenswerte Motivation, unzureichende Umsetzung
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Zunächst: Dem Autor gebührt alle Hochachtung, die denkbar ist. Sich einer der weltweit aggressivsten Verbrecherorganisationen entgegen zu stellen, nötigt eine Verbeugung ab.
So hat man die Ehre, beinahe wöchentlich aus den Medien zu erfahren, was derartigen "Dissidenten" blüht: Geschäftslokale werden ohne lange zu fackeln abgefackelt, ganze Familien der Vendetta wegen ausgelöscht usw.
Dies sei klargestellt.

Der geneigte Rezensent kommt allerdings nicht umhin, an den handwerklichen Fähigkeiten des Autors zu mäkeln:
Es liest sich mühsam. Als Bettlektüre (und nicht ob der Schwere der Thematik) nicht zu empfehlen. Wie bereits von Kolleginnen und Kollegen wohl richtig konstatiert wurde: Der Autor neigt dazu, sich zu überschätzen. Als Journalist wohl richtig am Platz - die Recherchen sprechen ja für sich -, heißt dies allerdings noch nicht, auch für die Profession des Buchautors prädestiniert zu sein.

Zu schwerfällig der Duktus, zu selbstverliebt die Darstellung, die schwer einmal auf den Punkt kommt: der Autor verliert sich in der Wüste des eigenen Anspruchs.

Schade - daher leider nur bedingt zufriedenstellend.
Kurz und bündig bewertet...
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Meine kurze aber bündige Rezension:

+ die Darstellung der Reichweite und des Einflußes der Camorra, national und international... da sieht man Italien wieder mit anderen Augen

- die Masse an Namen, Spitznamen und Ortschaften, Verwandschaftsgraden und Beziehungen untereinander läßt einem während der Geschichte das Gesicht einschlafen
Die harte Realität im Reich der Camorra
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Das öffentliche Bild vom organisierten Verbrechen mag zwar von der sizilianischen Mafia geprägt sein, doch diese ist gegen die süditalienische Camorra, so der Autor, kaum mehr als ein Knabenchor. Roberto Saviano, der inzwischen im Untergrund lebt, erhielt für seine Recherchen zu diesem Buch 2006 den Premio Viareggio, einen italienischen Literaturpreis. Während die italienischen Juroren vermutlich ausreichend Hintergrundkenntnisse besitzen, um zwischen harten Fakten und Überzeichnung unterscheiden zu können, ist davon beim deutschen Otto-Normal-Leser höchstwahrscheinlich nicht auszugehen. Die Frage, wo Savionas Buch nun Roman und wo Sachbuch ist, kann der Laie kaum beantworten. Nicht zuletzt, weil die Kapitel in sich abgeschlossen sind und damit oft zusammenhanglos erscheinen. Der rote Faden versteckt sich hinter blutigen Anekdoten.
© 1998-2009 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra

Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra von Roberto Saviano

Audio CD von Hörbuch Hamburg
Preis bei Amazon: EUR 22,95, Angebote ab EUR 16,00

5 von 5 Punkten
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3899034864, Erscheinungsdatum: März 2008, Auflage: Gekürzte Lesung.
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2 Kundenrezensionen:

Ihr Dreckskerle, ich lebe noch
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Neapel im südlichen Italien ist ein wunderschöner und malerischer Ort. Als drittgrößte Stadt ist sie neben Rom und Mailand ein wichtiges Zentrum, allerdings weniger unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Vielmehr gibt es wichtige kulturelle Sehenswürdigkeiten wie Paläste, Burgen, Schlösser, Klöster und Kirchen, Kunstausstellungen und Galerien. zu bestaunen.

Die Arbeitslosenquote von 20 bis 30 Prozent ist für die Größe von einer Million Einwohnern und den kulturellen Reichtum der Gegend eher verwunderlich. Exakte wirtschaftliche Zahlen sind aber schwer zu bestimmen, da die Camorra mit einer Art von Schattenwirtschaft über die ganze Region herrscht.

Die Camorra ist eine Verbrecherorganisation, die ähnlich wie die Cosa Nostra und die sizilianische Mafia strukturiert ist, ein Syndikat, das schon längst alles in der Stadt und der Region steuert. Die Wirtschaft befindet sich fest in der Hand des organisierten Verbrechens, still geduldet von Politikern, Stadträten und Bürgermeistern, die aus Angst und Abhängigkeit nicht reagieren können oder wollen, die Polizei und die Staatsanwaltschaft tragen einen fast aussichtslosen Kampf aus. Erpressung und Einschüchterung tun ihr Übrigens dazu, und immer wieder geraten auch unschuldige Zivilisten in den Bandenkriegen zwischen den Clans und Familien und bezahlen nicht selten mit ihren Leben.

Im Jahre 2006 wurden beispielsweise bis Oktober rund 700 (bekannt gewordene) Morde verübt, und die Politiker erwogen in dieser Extremlage bereits, das Militär in der Stadt einzusetzen. Neapel ist zu einem Schauplatz der Gewalt geworden: Drogenhandel, Prostitution, Produktpiraterie von Luxusgütern, durch Korruption und Erpressung organisierte Großaufträge im Baugewerbe, hinzu kommen der Waffenhandel und auch die illegale Müllentsorgung, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Camorra hat bei alldem keine Angst vor der Staatsanwaltschaft oder dem Innenministerium, natürliche Feind gibt es keine, und wenn sich jemand gegen die Interessen der Clans und Familien stellt, so ist dies gleichbedeutend mit Selbstmord.

Der 28-jährige Roberto Saviano, ein Journalist aus Casal die Principe, hat die Geschäftspraktiken der Camorra in seinem Erstlingswerk "Gomorrha" beschrieben. Dabei geht er deutlich ins Detail, schildert die Machenschaften und Verflechtungen der organisierten Kriminalität, und hat dennoch keine Furcht davor, die Namen der Oberhäupter der Clans und Familien zu nennen. Gewagt hat so etwas noch niemand ,und Roberto Saviano ist sich durchaus bewusst, dass sein Mut ihn das Leben kosten könnte.

"Gomorrha" ist ein erschütternder Bericht, kein Roman, aber auch nicht als Sachbuch einzuordnen. Es ist ein gut recherchierter und aufwühlender Tatsachenbericht, der uns Mitteleuropäer beschämen sollte, zumindest aber jeden Menschen, der vielleicht von der organisierten Kriminalität profitiert oder bewusst darüber hinwegsieht. Was müssen die Journalisten der Region über den jungen Mann denken, der einen solchen Mut aufbringt? Schütteln sie den Kopf über seinen Übermut oder zollen sie Roberto Saviano Respekt, wenn auch nur still und anonym?

Inhalt

"Gomorrha" ist ein Buch voller düsterer und erschreckender Tatsachen. Roberto Saviano fesselt seine Leserschaft dabei dermaßen, wie es sonst nur ein atmosphärisch dichter Roman schaffen kann. In Italien erschien "Gomorrha" tatsächlich als Belletristik; hier liegt die Vermutung nahe, dass das Verlagshaus Mondadori, das sich im Besitz des früheren Ministerpräsidenten Berlusconi befindet, von dem Gewicht der Wahrheit um die Camorra distanzieren wollte. Aber dieses Tatsachenwerk gehört definitiv nicht das Genre fiktiver Literatur.

Der Macht der Camorra und dem Strudel aus illegaler Gewalt, Blutrache und globalen Geschäften kann man sich in Neapel nicht entziehen, geschweige denn wegschauen oder ignorieren. Das Buch ist diesbezüglich gründlich recherchiert und atemlos anklagend geschrieben. Alle Fälle sind aktenkundig und zumindest durch Beweise und Indizien in einer Ehrlichkeit beschrieben, die beispiellos ist. Robert Saviano malt ein Schreckensbild und verbindet dies mit eigenen Erinnerungen und Emotionen. Anklagend, wütend und empört beschreibt er Fehden und kriegerische Auseinandersetzungen der Clans. Er beschreibt Drogensupermärkte und erzählt von Schulkindern, die mit kugelsicheren Westen bekleidet Schmiere stehen. Er beschreibt 'Unfälle' ,auf Baustellen deren Opfer vor Übermüdung und Überbeanspruchung von Notärzten nicht behandelt werden, aus Angst davor, sich damit Feinde zu machen. Angeschossene Opfer werden blutend auf der Straße liegen gelassen, aus Angst davor, die Killer könnten zurückkommen.

Seine Reisen durch die neapolitanische Unterwelt unternimmt der junge Autor zu Fuß oder mit seiner Vespa. Manchmal ist er nur Zuschauer, manchmal auch Beteiligter. Als Hafenarbeiter getarnt, schuftet er bei Morgengrauen und löscht Schmuggelware für die Camorra. Wenig später lernt er den Schneider Pasquale kennen, der wie viele seiner Kollegen für einen Hungerlohn Kleider näht, die unter einem berühmten Modelabel weiterverkauft werden, was Unsummen an Profit für die Bosse bedeutet.

Eines Abends beim Fernsehen mit seiner Familie sieht Pasquale im Fernsehen, wie die Schauspielerin Angelina Jolie bei der Oscar-Gala über den roten Teppich flaniert. Sie trägt einen weißen Hosenanzug, den er persönlich entworfen und genäht hat. Für einen Hungerlohn hat er sein Talent eingesetzt und Designs kreiert, die von den Oberen Zehntausend geschätzt werden, aber beweisen kann er es nicht, um Kapital daraus zu schlagen, ansonsten wäre dies sein Tod und vielleicht der seiner ganzen Familie. Pasquales Gehalt beträgt 600 ¬uro im Monat.

Dies ist nur eine kleine Szene aus "Gomorrha", doch sie beschreibt die Hoffnungslosigkeit und tiefe Frustration jener Menschen, die mit ehrlicher Arbeit in ihrer Heimatregion nichts erreichen können. Saviano sieht Monate später den Schneider Pasquale wieder; inzwischen arbeitet dieser als Fahrer für die Camorra und wird besser bezahlt, und in seiner Brieftasche trägt er einen Zeitungsausschnitt: Angelina Jolie im weißen Hosenanzug.

Roberto Saviano beschreibt weitere Einzelschicksale, wie z. B. auch das eines 32-jährigen Priesters, der anklagend gegen die Camorra auftritt und gegen die Verbrecherorganisation predigt. Auch er wird das Opfer von Killern und nach seiner Ermordung auch noch in Tageszeitungen verhöhnt und angeklagt.

Diese persönlichen Eindrücke bleiben den Lesern und Hörern am stärksten im Gedächtnis haften. Saviano verzichtet dabei nicht immer auf Effekthascherei. Die Emotionalität der Berichterstattung entspricht seiner Wut, seiner Empörung, seiner Klage gegen diese Organisation, für die Menschen nur austauschbare und minderwertige Figuren auf der kriminellen Bühne sind.

Man fühlt die Wut des Autors förmlich, und seine apokalyptischen Szenen hinterlassen auch beim Leser eine ganze eigene Form von Entrüstung und Entsetzen, z. B. dann, wenn der Autor beschreibt, wie die Clans den Giftmüll aus Norditalien nach Süden verfrachten. Diesen vergraben sie unter kampanischem Ackerland und es entstehen ganze Landstriche und Hügel, in denen Giftmüll lagert. Diese Ländereien werden verseucht an Bauern verkauft, die dies stillschweigend akzeptieren, denn was bleibt ihnen auch sonst anderes übrig? Die Clans verdienen an diesen Geschäftsabläufen doppelt und dreifach und kennen keine Skrupel, denn Moral, Recht und Ethik sind in ihrer Sprache nicht vorhanden. Nach Schätzungen der Justiz entsorgte diese Müllmafia im vergangenen Jahr 26 Millionen Tonnen illegaler Abfälle, einen Großteil davon in den Provinzen Caserta und Neapel.

Kritik

Roberto Saviano Erstling ist ein einziges Schreckensgemälde über die vielleicht blutigste und brutalste Region im Süden von Europa. Die Camorra ermordete allein in diesem Jahr 72 Menschen. In und um Neapel terrorisieren 15 Clans die Bewohner und machen Milliardengeschäfte, die in legale Unternehmen reinvestiert werden. Die Camorra ist der wichtigste Arbeitgeber der Region, und mit Hilfe von korrupten Politikern blüht diese immer mehr auf. Über 70 Bürgermeister hat das Justizministerium wegen Amtsmissbrauch abgesetzt - vielenorts finden sich keine Lokalpolitiker mehr, die für die Ämter kandieren wollen.

Saviano beschreibt diese seine Welt für die Tagszeitung La Repubblica und das Wochenmagazin L'Espresso. "Gomorrha" hat sich in Italien bestens verkauft und eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst, wie man es noch nicht erlebt hat. In vielen Medien und Radiosendungen, auf Websites und auch in Leserbriefen wird immer wieder die Frage gestellt: Wie konnte dies alles geschehen?

Roberto Saviano musste seine Wohnung in Neapel räumen und nach erhaltenen Morddrohungen steht er nun unter Polizeischutz. Ein Schriftsteller, der mit seinem Buch zwar weltberühmt, aber auch zum Vogelfreien erklärt wurde. Saviano schreibt: "Ich bin geboren im Land Camorra, wo mehr Menschen ermordet werden als irgendwo sonst in Europa, wo Geschäftemacherei und brutale Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind und nur das einen Wert besitzt, was Macht verspricht." Denn im Grunde geht es allen Überhöhungen der organisierten Kriminalität, allen Legenden um "Scarface", allen geheimen Ritualen und mystischen Bünden zum Trotz nur um eines: um Geld. So einfach ist das.

Die Camorra oder auch "il sistema", das System, ist ein gigantisches Wirtschaftsimperium, und Saviano beschreibt es anklagend mit scharfen Worten. Aber sein Buch ist auch eine Mahnung, eine Aufforderung, die Augen zu öffnen, Stellung zu beziehen und gegen "das System" anzukämpfen.

Fazit

"Gomorrha" ist ein düsteres Buch. Die Reise in das Reich der Camorra wird aufwühlend und wütend erzählt. Heikko Deutschmann, 1962 in Innsbruck geboren, liest "Gomorrha" für Hörbuch Hamburg, und man merkt ihm sehr gut an, dass das Buch ihn bewegt und nicht kaltlässt. Alleine schon im Vorwort des Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo - Die Zeit - spürt der Hörer, wie sehr die Erzählung eine Emotionalität aufbaut und unter die Haut geht.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Es ist kein Thriller, der unserer Fantasie entspringt. Roberto Saviano beschreibt eindringlich seine Heimat und deren kriminelle Realität. Er klagt an und legt Beweise vor. Er schildert das Morden und Sterben in all seiner Erbärmlichkeit und Jämmerlichkeit. Es gibt keine fiktionalen Charaktere, keine schattenhaften, anonymen Schauspieler. Saviano nennt Namen, Strukturen und Details, welche die ganze Organisation mehr bedrohen, als es die italienische Justiz jemals für möglich gehalten hat und sich erhoffen konnte. Saviano hält sich dabei an Fakten, die so atemberaubend sind, dass man sie kaum glauben will. Er glaubt aber auch an die Kraft seiner Worte, die er gezielt als Waffe einzusetzen weiß.

"Wenn wir die Mafia wirksam bekämpfen wollen, dürfen wir sie weder in ein Monster verwandeln noch denken, sie sei ein Blutsauger oder Krebs. Wir müssen akzeptieren, dass sie uns ähnlich ist", schrieb der bekannte sizilianische Richter Giovanni Falcone. 1992 wurde er von der Mafia ermordet. Roberto Saviano führt vor, wie untrennbar Legalität und Illegalität im globalisierten Kapitalismus miteinander verstrickt sind. Wie funktioniert eine kriminelle Organisation? Wer "Gomorrha" liest bzw. hört, wird dies in Ansätzen verstehen können. Er wird begreifen, wie Drogen verkauft und Gelder gewaschen werden, wie Modeartikel hergestellt und verkauft werden, wie ganze Müllberge verschoben werden und wie Menschen ohne Skrupel getötet werden, weil dies zum Alltag der Camorra gehört. Und es wird transparent, wie eng die Politik, die Wirtschaft und das Verbrechen in Kampanien/Neapel miteinander im Einklag stehen. Im Grunde geht es nur um das Geld für einige Wenige, niemals um das Schicksal und das Leben der dort lebenden Menschen.

Für den Autor Roberto Saviano geht es aber auch ganz unmittelbar um das Überleben. Die Camorra ist nachtragend und wartet nur darauf, dass sich die Wellen der Entrüstung legen, um dann zum tödlichen Schlag auszuholen. Fakt ist es auch, dass Saviano bedroht wird. Er schläft in Kasernen, bewacht wird er ständig von zwei Polizisten, und niemals verbleibt Saviano länger am gleichen Ort. Robert Saviano lebt wie ein Verbrecher - auf der Flucht, im Untergrund, immer in Gefahr.

Seinen Häschern widmete der Untergetauchte jedoch den letzten Satz in seinem Buch: "Ihr verfluchten Dreckskerle, ich lebe noch!"

Details

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß
Gekürzte Lesung von Heikko Deutschmann
4 CDs, 297 Minuten mit 69 Tracks

Die italienische Originalausgabe erschien 2006 unter dem Titel "Gomorrha"
2007 Carl Hanser Verlag München
Vorwort: Giovanni di Lorenzo, Hamburg Januar 2008 (Chefredakteur Die Zeit)
Hörbuch Hamburg: HHV GmbH, Hamburg 2008
http://www.hoerbuch-hamburg.de
ISBN-10: 3899034864
ISBN-13: 978-3899034868

Der Sprecher

Heikko Deutschmann war nach dem Schauspielstudium Ensemlemitglied an der Berliner Schaubühne und am Hamburger Thalia-Theater, im Schauspiel Köln und im Schauspielhaus Zürich. Außerdem spielte er in zahlreichen Filmen mit und ist ein begehrter Hörbuchsprecher. Für Hörbuch Hamburg hat er u. a. "Der Erlöser" und "Das fünfte Zeichen" von Jo Nesboe, "Die dunkle Seite des Mondes" von Martin Suter, Stendhals "Rot und Schwarz" sowie von Thomas Glavinic "Die Arbeit der Nacht" gelesen.

Michael Sterzik
Reise in das Reich der Camorra
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Mich hat es gegruselt, ich war entsetzt und doch hat es mich tief berührt eine so mutige Streitschrift wieder ein Monstrum zu hören, wie es das Hörbuch REISE IN DAS REICH DER CAMORRA (GOMORRHA) ist. Dem Autor Roberto Saviano gebührt höchstes Lob, bei seiner Recherche ist er dem Bösen näher gekommen, als so mancher Priester.

Was hier beschrieben wird, ist nicht ehrenwert, es ist nicht die starke Gruppe, die schützende Familie, es ist das blanke Entsetzen, es ist der Tod der Menschen, brutal unnachgiebig und mit Blut befleckt - die Camorra. Der Autor Roberto Saviano zeigt das Gesicht der Herren und so mancher Damen, die dem Clan dienen, den Familien. Was dabei herausgekommen ist, Jagd einen Gänseschauer über den Rücken und die Details sind der wahre Horror.

Selbst die Elektronik-/ und die Lebensmittelindustrie bedienten sich der Camorra, um ihre Absatzmärkte zu stärken und zu schützen, welch ein Hohn! Wie unglaublich das gerade die normalen Geschäftsleute zur Camorra gelaufen sind... denn den (hohen) Preis durfte am Ende immer der Verbraucher zahlen...

Der Autor, gut gelesen von Heiko Deutschmann, zeigt uns ein gefräßiges Monstrum auf, eine Bestie, welche selbst ihre Kinder verschlingt und auch vor Priestern nicht halt macht. Frauen, Kinder und Alte wie auch Junge wurde ihr Opfer und die Mächtigen schauten einfach nur zu.

Internationale italienische Modehäuser ließen bei der Camorra schneidern und erlaubten den Vertrieb mit gefälschter Ware, Politiker waren mit im Boot und die Polizei machtlos - ein Netzwerk von ungeahnter Größe und krebsartiger Ausbreitung.

Ein Hörbuch das wach rüttelt und aufweckt - eine grandiose Recherche und glänzend geschriebene Lanze gegen das organisierte Verbrechen - die Feder ist doch mächtiger als das Schwert!

Sehr empfehlenswert
© 1998-2009 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Das Gegenteil von Tod

Das Gegenteil von Tod von Roberto Saviano

Gebundene Ausgabe von Hanser
Preis bei Amazon: EUR 10,00

ISBN: 3446233350, Erscheinungsdatum: Februar 2009, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Das Gegenteil von Tod
Produkt-Bild: Gomorrha

Gomorrha von Roberto Saviano

Gebundene Ausgabe von Büchergilde Gutenberg
Angebote ab EUR 18,50

ISBN: 3763258965, Erscheinungsdatum: 2008
Zoom ± Produkt-Bild: Gomorrha
Produkt-Bild: Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra

Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra von Roberto Saviano

Audio CD von Hörbuch Hamburg
Preis bei Amazon: EUR 14,95

ISBN: 3869090138, Erscheinungsdatum: Februar 2009
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