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Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin von Kathrin Passig, Sascha Lobo

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 16,10

3,5 von 5 Punkten
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871346195, Erscheinungsdatum: Oktober 2008, Auflage: 2., Aufl.
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5 Kundenrezensionen:

Dieses Buch hilft nur Ihrem Gewissen, nicht Ihrem Erfolg
1 von 5 Punkten 1 von 5 Punkten
Wenn Sie Ihr Gewissen beruhigen wollen, lesen Sie das Buch und belügen Sie sich selbst schön weiter.

Wenn Sie wachsen wollen, greifen Sie stattdessen zu "Eat that frog" (wichtige Aufgaben vorziehen), "Flow" (Arbeit für sich selbst verschönern) oder "simplify your life" (Vereinfachung), möglicherweise auch zu "Die 4 Stunden Woche" von Timothy Ferriss - dessen Buch wohl noch am Ehesten die Zielgruppe von Dinge geregelt kriegen anspricht, im Gegensatz zu diesem Buch hier aber auch unter Zu-Hilfe-Nahme des Pareto-Prinzips WIRKT. Denn wirklich beruhigen wird Sie dieses Buch nicht. Ich habe es nur aus einem Grund gelesen: Hält es das, was in der riesigen (guten) Marketingaktion versprochen wird? Mit Videos auf youtube, einer eigenen Website und dem entsprechenden Blog-Hype wird hier Verkauf betrieben - was sicher nicht schlecht ist für den Absatz des Buches, aber ob der Leser was davon hat, der es in dem Wunsch kaufte, seine Dinge geregelt zu kriegen? Eher nicht.

Warum ich dieses Buch nicht mag?
Punkt 1 ist leicht verständlich: Reisserischer Titel, der nicht hält was er verspricht - man regelt sein Gewissen, was noch schlimmer ist: Man regelt seinen möglichen Erfolg (Dinge anders anzugehen, statt aufzuschieben) herunter.

Punkt 2 für die Beleseneren:
Weil hier Begriffe vertauscht, Argumente verwechselt (das Wechseln der Zielsetzung wird allen Ernstes als Prokrastination bezeichnet) und der rote Faden des Buches in einem klassischen "ich mache meine Geschichte jetzt erklärbar, indem ich weisse Schwäne heranziehe" durchgeboxt wird. (Zu schwarzen Schwänen, falschen Statistiken und gedanklichen Einbahnstraßen siehe Nassim Nicholas Taleb "Der schwarze Schwan" und sein Vorgängerbuch "Narren des Zufalls".)

Sie können viel Zeit sparen, indem Sie dieses Buch nicht lesen. Arbeit (im Sinn zu erledigender Dinge) kann sicher anders (lebenswerter) gestaltet werden. Dieses Buch hilft nicht dabei.

Warum trotzdem ein Stern von fünf? Weil man sonst die Rezension nicht abschicken kann in diesem amazon.de-Formular.

Wollen Sie das Buch immer noch lesen? Bitte, nur zu. Aus der Bibliothek bekommen Sie es sicher günstiger (zur Not Fernleihe) oder eben auf einer Ihnen sicher bekannten Auktionsplattform.
Der etwas andere Ratgeber - gut geschrieben
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Bekehrende Ratgeberlektüre à la Simplify your Life sind nicht die Sache von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Und doch ist ihnen mit Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" ein Ratgeber gelungen, der aktuell breite Aufmerksamkeit findet. Die beiden Autoren, die nach eigenen Aussagen den schwarzen Gürtel im Verschieben" von Aufgaben haben, liefern zahlreiche Hintergründe und Sichtweisen zur Prokrastination, so der Fachbegriff (kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet das Aufschiebeverhalten von Menschen). Das über weite Strecken süffisant geschriebene Buch stellt zahlreiche Beispiele vor, mit welchen Schwierigkeiten Menschen zu kämpfen haben und zeigt Strategien, wie man die Probleme lindern kann, indem man sich etwa zahlreichen Verpflichtungen einfach entzieht. Die Autoren gehen übrigens davon aus, dass ein Großteil der Prokrastinierer" erst unter Zeitdruck Leistung vollbringen kann - und dann richtig gut ist. Das ist eine Erkenntnis, die vielen bekannt vorkommen dürfte... Kurz gesagt: Zusammenreißen" und gute Vorsätze sind für Menschen, die zur Prokrastination neigen, in der Regel keine Lösung. Auch die reine Ursachenforschung bringt nicht viel. Wertvoll sind daher Tipps, wie man gar nicht erst in die Verlegenheit gerät, Dinge aufzuschieben. Hier nur einige davon...

>> Dinge gar nicht erst anschaffen, die man im Haushalt aufräumen, säubern, pflegen und gottweißwas muss - und was zu viel ist: weggeben/wegwerfen
>> Verträge für Fitness-Studios gar nicht erst unterschreiben
>> Andere dafür beschäftigen, was man selbst nicht gut kann: Belege sortieren oder Putzen etwa
>> Sich von Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, glaubhafte Deadlines setzen lassen

Natürlich ist die Bandbreite der Menschen, die unter dieser krassen Form von Aufschieberitis leiden, enorm und reicht von dem einen, der nur mal eine Mail nicht beantwortet bis zu Leuten, die jahrelang ihre Rechnungen nicht öffnen. Bestimmt kann sich fast jeder mal an der einen oder anderen Stelle im Buch wieder finden. Und das gibt dann die gute Gewissheit: Man ist nicht alleine mit dem Problem. Andere kennen es auch. Und die schaffen es sogar, ein ganzes Buch darüber zu schreiben. Das sich sogar - für ein Sachbuch - sehr unterhaltsam liest. Hut ab!

Wie heute schon fast üblich, gibt es auch ein Blog zum Buch mit immer wieder neuen Infos zum Thema, Tipps, Tricks sowie Fundstücken aus dem Internet: http://prokrastination.com/
Gegenrichtung bewertet
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Kennen Sie das Gefühl? Sie haben sich verfahren, wenden und verpassen die Ausfahrt erneut. Irgendwie so fühlte ich mich bei der Lektüre dieses Antiselbstdisziplinbuches. Endlich, dachte ich nach der Einleitung. Endlich fahren zwei gewitzte und sprachlich beschlagene Zeitgenossen gegen den Zeitgeist auf, alles im Griff zu haben. Aus Notwehr würden sie das Buch schreiben. Und weil die Welt es brauche. Und auch der Auftakt, also der erste Teil, sorgte noch für eine frische Brise. Aber je länger ich das Fenster offen ließ, desto unwohler wurde mir. Kaum vom üblichen Ratgebergroove befreit, sah ich mich noch stärker geknechtet als bei Küstenmacher&Co. Die gehen wenigstens davon aus, dass man die Message inklusive Übungen nach 200 Seiten begriffen hat. Wahrscheinlich nicht nur, um noch Stoff für Folgebücher zu haben. Denn in Schweinehund II bis V läuft ja die gleiche Story ab wie in Schweinehund I. Kathrin Passig und Sascha Lobo fühlen sich jedoch von seltsamen Kräften dazu getrieben, ihren Lesern gleich die ganze Welt zu erklären, das Universum dazu und alles in einem Aufwisch.

Der Redeschwall der beiden Autoren bestätigt, dass messianisch veranlagte Menschen auch dann Wesensverwandte sind, wenn sie völlig gegensätzliche Meinungen vertreten. Sie stehen gerne auf der Kanzel, sind rhetorisch beschlagen, haben in jedem Wissenschaftsgebiet einen guten Freund, verweisen bei der Durchführbarkeit ihrer Gebote gerne auf eigene Lebensgeschichten, piesaken, charmieren, zitieren, anekdotisieren, verschlagen mit ihrer Atemlosigkeit auch anderen den Atem, halten Erstrebenswertes oder Verabscheuungswürdiges in einzelnen Punkten fest, lassen ihre Feinde nach einem Auftritt sofort in die Hölle fahren und lieben Aufforderungsverben. Eine Einschätzung die sie dann meist gekränkt oder empört von sich weisen.

Warum ich das Buch trotz meinem Unbehagen für missionarische Langzeitpredigten mit vier Sternen bewerte, hat einen einfachen Grund. Ich möchte damit möglichst viele Getreue klassischer Lebensratgeber zur Lektüre genau dieses Ratgebers veranlassen. Mit der Hoffnung, er würde den gleichen Effekt haben, wie wenn man bei der Fahrprüfung statt in den dritten Gang zu schalten den Rückwärtsgang einlegt. In der Regel scheppert es nach einer solchen Fehlmanipulation tüchtig im Getriebe. Und dann bleibt man unweigerlich stehen, muss aussteigen und sich den Schaden ansehen. Zum Wechsel des Wagens gezwungen, wird man dann vielleicht etwas vorsichtiger und weniger blauäugig den Ratschlägen anderer folgen. Ich bin okay, du bist okay.

Mein Fazit: Die Richtung gefällt mir. Ich finde es nur jammerschade, dass die Ratgeberliteratur auch bei den beiden Autoren so tiefe Spuren hinterlassen hat. Denn obwohl sie ihre Leser vom Terror der unzähligen To-do-Listen befreien wollen, verheddern sie sich selber in den formalen Geflechten, die Missionaren so eigen sind. Und damit sind die Widersprüche vorprogrammiert. Menschliche Verhaltensmuster lassen sich nicht so einfach verändert, aber bitte ändere sie schnell. Am besten mit einer To-do-Liste.
ganz bestimmt erfolgreich
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Dieses Buch wird ganz bestimmt erfolgreich sein, denn es bedient eine Wahrheit: "Die Menschen wollen nicht wissen, was sie verändern sollen, sie wollen nur wissen, wovor sie sich drücken können". Genau deswegen sind Bücher, die versprechen, das man irgendetwas ganz ohne eine bestimmte Anstrengung erreicht, so erfolgreich. "Abnehmen und essen so viel man will" "Eine Million durch Nichts-tun" Diese Bücher findet man regelmäßig auf den vorderen Plätzen.
Die "traurige" (oder erfreuliche?) Wahrheit ist: Wer etwas verändern will, der muss sich überwinden- seine Trägheit, die Hindernisse, die ganz sicher auftauchen, wenn man sich auf den Weg macht..
Auch diesem Buch wird es gehen wie vielen anderen auch: Das Umsetzen der Strategien wird erwogen, aber erst einmal stellen wir es ins Regal...
Klug und unterhaltsam
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Ich habe Kathrin Passig auf der Buchmesse 2008 das Buch vorstellen sehen und ich konnte alleine vom Zuhören einiges mitnehmen. Unangenehme Aufgaben, wie Quittungen für die Steuer sortieren, einfach mit dem Partner tauschen, dann fällt es leichter, weil man nicht mehr so verstrickt ist ins "eigene Zeug". Und Aufschieberitis kann auch gute Züge haben, weil man aus schlechtem Gewissen andere Aufgaben, die auch auf der To do Liste stehen, mit viel größerem Elan verfolgt. Interessant war, dass Kathrin Passig zugegeben hat, dass sie nicht genügend Selbstdisziplin hatte, sich durch die Ratgeberliteratur zu kämpfen, auf die ihr Buch antwortet. Dafür haben sie und Sascha Lobo jemanden bezahlt, der dann Zusammenfassungen für die beiden geschrieben hat. Damit bleiben sie dem Buch aber treu: Aufgaben, die einem wie ein Stein auf der Seele liegen, einfach mal abgeben. Und wenn es gegen Geld ist. - Und: To do Listen sind nicht schlecht, es kommt drauf an, was drauf steht. Bei mir steht auf jeden Fall drauf: Das Buch lesen, aber erst wenn es als Taschenbuch erscheint, es klingt nämlich vielleicht doch zu sehr nach der Ratgeberliteratur, die es eigentlich kritisieren will?
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Helmut Schmidt. Die Biographie von Hans-Joachim Noack

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 17,95

3,5 von 5 Punkten
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871345660, Erscheinungsdatum: Sept. 2008
Zoom ± Produkt-Bild: Helmut Schmidt. Die Biographie

Aus der Amazon.de-Redaktion


Zunächst wundert man sich - gelinde gesagt. Helmut Schmidts Leben, abgehandelt auf mageren 300 Seiten, während sein schwergewichtiger Nachfolger aus der Pfalz bereits am vierten Erinnerungsband werkelt? Wie geht so etwas? Nun ja, auch hier zeigt sich eben der gewaltige Unterschied. Dort die ausufernde Selbstbetrachtung- und beweihräucherung, das Festklammern an jedem noch so bedeutungslosen Fitzelchen im politischen Wirken. Hier hingegen ein gestandener Journalist und Schmidt-Vertrauter wie Hans-Joachim Noack, der - in dieser Hinsicht dem Altkanzler nicht unähnlich - auf schmückendes Beiwerk verzichtet und die Eckpfeiler eines politischen Lebens einrammt. Ohne dabei unscharf zu werden. Eine Verknappung, die an Größe gewinnen lässt.
Klar, ein Fast-Jahrhundert an Lebenszeit derart einzudampfen, fordert Abstriche. Allein die Ereignisse des Deutschen Herbstes 1977 und das Dramenfeld Mogadischu - Schleyer - Stammheim. Über diesen Strudel, der den damaligen Kanzler fast an den Rand des moralischen und politischen Kollapses brachte, hätte man gerne mehr gelesen. Zu diesem Zeitpunkt hat Noack bereits eine beträchtliche Wegstrecke hinter sich gebracht. Die „Jugend und Soldatenzeit“ des 1918 Geborenen. Der preußisch zugeknöpfte Vater. Mitschülerin Lokis unterprivilegiertes Elternhaus, das erste Gerechtigkeitsfragen in Schmidt aufkeimen lässt. Hamburg im Zeitkolorit der Weimarer Republik, ein Bild, das Noack meisterlich skizziert. Schließlich der Zweite Weltkrieg und die frühe Erkenntnis einer unschlagbaren „Weltkoalition“, die sich dem Machtrausch der Nazis in den Weg stellen würde. Gedanken eines (noch) Unpolitischen.
Erste Weihen dann, als ein Hamburger Innensenator sich während der großen Sturmflut 1962 zum Krisenmanager emporschwang. Fortan genießt der Allerweltsname Schmidt bundesweit Gültigkeit. Die Troika Wehner-Brandt-Schmidt. Der Rücktritt Brandts, Lichtgestalt der Ostpolitik und (deswegen?) ewiger Dorn im Auge Schmidts, der sich im eigenen Lande stets unterbewertet fühlte. Die moralisch kaum fassbare Entscheidung des Kanzlers Schmidt, Schleyer zu opfern. Der NATO-Doppelbeschluss, der ihn in den eigenen Reihen am Ende fast zur Unperson werden ließ. Noack liefert das Porträt eines Workaholics, der in seiner aktiven Laufbahn als arroganter Besserwisser verschrieen war. Doch trotz besten Willens und Kenntnisreichtums will es auch ihm nicht gelingen, zum innersten Kern dieses notorisch Verschlossenen vorzudringen. Eines Menschen, Politikers und gesegneten Rauchers namens Schmidt, den Partei und Volk erst relativ spät verstehen und lieben lernten - und die ihn heute schmerzlich vermissen. -Ravi Unger
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5 Kundenrezensionen:

Guter Einstieg in ein Stück deutscher Geschichte
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Wer sich noch nicht näher mit der Helmut Schmidt beschäftigt hat, für den ist Hans-Joachim Noacks vorgelegte Biografie ein idealer Einstieg.
So werden in zehn kurzen Kapiteln alle Lebensstationen Schmidts beleuchtet: Seine Zeit als Offizier während des dritten Reiches, die ersten Parlamentarierjahre, die Jahre als Finanz- bzw. Verteidigungsminister und schließlich die Kanzlerjahre und das darauffolgende Vierteljahrhundert. Dabei beleuchtet der Autor auch immer wieder Schmidts Charakter und dies nicht nur unkritisch.

Die Krux bei Noacks Biografie ist die Länge. So kann ein nunmehr 90jähriges Leben teilweise nur sehr rudimentär betrachtet werden. So wären ein paar Seiten mehr zum Nato-Doppelbeschluss oder Deutschen Herbst sicherlich wünschenswert gewesen.
Trotzdem bleibt das Buch ein guter Einstieg in ein Stück deutscher Geschichte.
unkompliziert & unterhaltsam
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Wer in letzter Zeit - durch den Schmidt-Hype - auf den ehemaligen Kanzler aufmerksam geworden ist und mehr über ihn erfahren möchte, sich dabei jedoch nicht durch staubtrockene zeitgeschichtliche Details den Lesespaß verderben lassen will, dem empfehle ich dieses Buch.
Eine gute Übersicht
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Natürlich kann eine Biographie in dieser Dicke nicht jedes Details und jeden Hintergrund eines 90-jährigen Menschen aufzeigen. Dennoch ist eine sehr gute Übersicht über das Leben und Wirken Helmut Schmidts gelungen. Gerade Personen, die entweder zur Kanzlerschaft Schmidts noch zu jung waren oder erst danach geboren wurden, bekommen einen sehr guten Einblick in diese Jahre der Bundesrepublik.
Nichts Neues über Schmidt
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Der von der Amazon-Redaktion beschriebene erste Eindruck ist der richtige: ein mageres Buch. Für den politisch Interessierten, der sich mit der Geschichte der Bundesrepublik recht gut auskennt, bietet die Biographie nichts Neues. Er wird das Buch als eine Zusammenfassung dessen ansehen, was oft schon in den Medien über Helmut Schmidt zu erfahren war. Was man sich dagegen eigentlich von einer Biographie erhofft - den Blick hinter die Kulissen und unter die Oberfläche - liefert Noack nicht. Insofern muss man das Buch, das sich allzu großtuerisch "Die Biographie" nennt, leider als oberflächlich bezeichnen.

Nützlich ist das Werk dagegen für die mit der deutschen Nachkriegspolitik wenig vertrauten Leser. Wer von Helmut Schmidt noch nicht viel gehört hat, findet hier eine gute Einführung in sein Leben. Allerdings sollte er dieser Schmidt-Biographie dann bald Politiker-Biographien anderer Parteien folgen lassen, da Noack über Schmidt mit wenig kritischer Distanz schreibt.
War einem Unnahbarem zu nahe
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Die Lektüre dieser Biografie weckte in mir das unangenehme Kindheitserlebnis, im schön eingepackten Weihnachtsgeschenk ein neues Pyjama statt der gewünschten Lokomotive für meine Modelleisenbahn vorzufinden. Sieht man von den letzten zwanzig Seiten ab, so hat man das Gefühl, Hans-Joachim Noack präsentiere einfach nochmals die politischen Ränkespiele der Ära Schmidt. Die zur Garnitur servierten Fragen und kleinen Exkurse können nicht verhindern, dass man unruhig vor einem faden Neungänger sitzt und sehnsüchtig auf die Nachspeise wartet. Doch die kommt viel zu spät und ist schliesslich auch keine echte Überraschung. Sie erklärt allenfalls, warum es in der Küche an kreativen Köchen mangelt. Mit den Worten von Siegfried Lenz gesprochen: "Je öfter sich einer an seiner Seite aufgehalten hat, desto schwerer fällt es ihm den Altkanzler zu charakterisieren." Das trifft auf den Autor dieser Biografie leider ebenso zu wie auf andere Weggefährten.

An falsch verpackte Weihnachtsgeschenkte erinnerte mich diese Biografie, weil es unglaublich spannend wäre, den Eigenheiten eines Charakters auf die Spur zu kommen, der für das Nachkriegsdeutschland nicht untypisch ist. Helmut Schmidt, dessen Heiligenschein mit jedem Jahrring noch wächst, wird inzwischen als der weise Deutsche schlechthin gehandelt. Und der geringste Zweifel an diesem Mythos wird als Gotteslästerung verstanden. Er habe nie etwas aus dem Bauch heraus getan, behauptet Helmuth Schmidt selbst im neunzigsten Altersjahr noch. Daran darf und muss er glauben, um sein Selbstbild aufrecht zu erhalten. Doch mit der viel beschworenen Rationalität des Altkanzlers hat ein solcher Glaube im 21. Jahrhundert definitiv nichts zu tun. Weder er noch sein Chronist würde einen renommierten Neurowissenschaftler oder Psychiater finden, der ein solches Bild menschlichen Verhalten absegnet. Damit will ich nicht propagieren, eine Biografie müsse ein psychoanalytischer Schlussbericht sein. Behüte, aber sie müsste Geschichten erzählen, die dem Leser Einblicke in die Seele eines Menschen ermöglichen. Ohne Anspruch darauf, solche Bilder müssten die Wahrheit wiedergeben. Aber weil Dargestellter und Darstellender am Mythos festhalten, menschliches Verhalten werde von der Vernunft gesteuert, wird diese Berichterstattung eines so bedeutenden Politikerlebens zwangsläufig langweilig. Ausser man interessiere sich brennend dafür, wer wann wo mit wem welche Klungelei ausheckte.

Das Konzept dieser Biografie führte automatisch dazu, dass ich kaum etwas darüber erfuhr, was den Altkanzler in seinen frühen Jahren prägte. Und selbst über seine Zeit in der Wehrmacht weiss der Hans-Joachim Noack nur zu erzählen, was eifrige Zeitungsleser schon lange wissen. Der aussergewöhnlich starke Drang von Helmut Schmidt, seine Umwelt zu belehren, ist mehr als nur anekdotisches Beigemüse, sondern beeinflusste sein Leben ebenso wie seine Politik. Ohne die vielen Geschichtsklitterungen moralisch verurteilen zu wollen, hätte mich interessiert, wo sie dienlich und wo schädlich waren. Gehören solche Verhaltensmuster zum notwendigen Rüstzeug der Politik und der Nachkriegsgeneration? Sind sie allgemein menschlich und kommen im Rampenlicht der Politbühne einfach besser zum Vorschein? Wieso sammelt Helmut Schmidt jedes nur erdenkliche Dokument seines politischen Lebens, gestattet Aussenstehenden aber nicht den flüchtigsten Blick auf sein hermetisch versiegeltes Archiv privater Ereignisse? Und warum erhebt ihn die Öffentlichkeit in den letzten Jahren zur deutschen Lichtgestalt, obwohl er sie über so vieles im Dunkeln lässt? Kurz: Auf die Fragen, die mich interessiert hätten, gibt diese Biografie keine Antworten. Oder was man noch als Antworten verstehen könnte, wird in die gleiche politische Wolle eingepackt, die zur Politikverdrossenheit von heute beiträgt.

Mein Fazit: Helmuth Schmidt hat zwar offiziell keine Autobiografie verfasst, gehört aber zu den eifrigsten Schreibern der politischen Zunft. Hätte Hans-Joachim Noack die Absicht gehabt, seinen Lesern den Menschen Helmut Schmidt etwas näher bringen zu wollen, so wäre ihm genügend Material zur Verfügung gestanden. Aber ausser im letzten Kapitel erfahren wir nur, was in den Archiven auch sonst zugänglich wäre. Für mich ist dieses Buch eine gut geschriebene Zusammenfassung von Zeitdokumenten, aber keine spannende Biografie.
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Produkt-Bild: Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten

Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten von Alexander von Schönburg

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 17,90, Angebote ab EUR 14,50

4 von 5 Punkten
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871346047, Erscheinungsdatum: Oktober 2008, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten

5 Kundenrezensionen:

Königlich amüsiert!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Was für ein amüsantes Buch! Ich habe es eigentlich als Geschenk für meine Schwiegermutter gekauft, wollte vorher nur mal kurz reinschauen und habe es dann in einem Rutsch gelesen. Von Schönburg wiederholt nicht einfach Dönnekens von Königs, die man schon hundertmal beim Zahnarzt gelesen hat (denn sonst interessiert uns Klatsch ja nicht, neeiiiinnn), sondern überrascht mit zumindest mir bis dato unbekannten Anekdoten. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Schönburg, Spross eines alten, wenn auch verarmten Geschlechts, selbst adelig ist und Zugang zu diesen Kreisen hat. Zum Glück ist er aber wesentlich witziger als seine Schwester Gloria (von Thurn und Taxis), die meist ja nur unfreiwillig komisch ist, etwa wenn sie es bedauert, dass die Eltern nicht mehr die Ehen ihrer Kinder arrangieren. Apropos, über arrangierte Ehen lässt sich von Schönburg bei weitem spannender aus. Ebenso macht er, vor allem im Interview mit einem exzentrischen englischen Edlen, absolut plausibel, warum Könige nicht allzu schlau sein dürfen: Weil sie sonst nur mitregieren wollen,(was oft katastrophale Folgen hat, zum Beispiel Eroberungskriege) oder, wenn ihnen das verweigert wird, depressiv werden.
Schönburg vertickt aber nicht nur Histörchen sondern auch Historisches, das ich, obwohl auf diesem Gebiet recht bewandert, so auch noch nicht gelesen habe. Packend etwa das Kapitel über königliche Insignien, etwa die faszinierende Geschichte der ungarischen Stephanskrone oder das "Schicksal" der Leichen sowie des legendären Salbungsöls der französischen Könige in Zeiten der Revolution...
Und von Schönburg hat nicht nur viel gelesen, sondern auch selbst recherchiert, interessante Interviews geführte, etwa mit Simeon von Bulgarien, dem letzten Kindkönig Europas und späteren bulgarischen Ministerpräsidenten.
Fazit: Dieses Buch macht einfach Riesenspaß, auch wenn man sich für Königs und Co. sonst nur in Wartezimmern interessieren sollte...
habe sehr gelacht
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Alexander von Schönburg ist es gelungen, den Adel zum entmystifizieren. Man kann über die Personen schmunzeln, sie werden aber keinesfalls böse durch den Kakao gezogen. Mit allen Schrullen und Eigenheiten, die in den Anekdoten erzählt werden, werden sie menschlich.

Fazit: Das Buch ist eine kurzweilige amüsante Lektüre für Leser, die sich für Adel, Prominenz und Klatsch& Tratsch interessieren.
Sehr lustig und Informativ
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Lustig und locker geschrieben. Informativ ( natürlich nicht vergleichbar mit ausführlichen Geschichtsbüchern )über die europäischen Königshäuser. Ein leichter Schmöker für Zwischendurch. Nicht zu klatschhaft.
Die Mischung macht's
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Daß "Könige" unterhaltend und sehr lesbar daherkommt, wird niemanden erstaunen, der v. Schönburgs Bücher kennt. Was hier überrascht, ist vielmehr die Mischung, nämlich einerseits eine gut recherchierte, sehr nachdenkliche Meditation über Wurzeln des Königtums und seine Übertragbarkeit in die heutige Zeit; vielleicht würden einige royale PR-Berater gut daran tun, ihren Arbeitgebern dieses Werk diskret aufs Nachtkastl zu legen.

Doch auch jene Leser, die vor allem Insider-Klatschgeschichten suchen, werden auf ihre Kosten kommen.

Kurzum: Unbedingt lesen!
Nur sehr bedingt "Nähkästchengeplauder" aber geschichtlich bezogen amüsant zu lesen
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Ich habe schon einige Bücher von Graf Schönburg gelesen und mag seinen amüsanten, gebildeten Schreibstil. Aus diesem Grunde habe ich das Buch gekauft und muss sagen "der royale Klatsch" bot nicht viel Neues. Wenn man auch ab und zu die "Yellow-Press" liest, kannte man die meistens Storys wie Handtaschen-Code der Queen, Storys über die Corgys, Stress der Luxemburger Großherzogin etc.
Aber er gibt ja selbst zu es sich verständlicherweise nicht mit der Verwandtschaft verderben zu wollen und kann daher nur begrenzt aus dem "Nähkästchen plaudern". Doch das war ja eigentlich der "Aufmacher" des Buches, daher für mich etwas enttäuschend.Ich hatte von ihm wirklich keine "reißerische Berichterstattung" erwartet, aber ab und zu mal etwas wirklich amüsantes Neues von einem Insider.
Den geschichtlichen Teil fand ich dagegen viel spannender, da er gekonnt trockenen Geschichtsstoff mit Anekdoten über historische Royals verbindet und uns die Welt der Monarchie verständlicher macht.Die wirklich ausführlich recherchierten geschichtsbezogenen Kapitel sind sehr lesenwert.
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Produkt-Bild: Jimi Hendrix. Eine Biographie

Jimi Hendrix. Eine Biographie von Rainer Höltschl, Klaus Theweleit

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 17,90, Angebote ab EUR 15,90

3,5 von 5 Punkten
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871346144, Erscheinungsdatum: Sept. 2008
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2 Kundenrezensionen:

Ziemlich abgehobenes Blabla
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Die x-te Biografie über DEN Gitarren-Innovator liest sich zum Teil doch recht anstrengend, außer es gefällt der abgehobene, spekulative und teilweise schwammige Ausdruck der Autoren. Die Fakten sind bekannt, das meiste ist sowieso abgeschrieben und dann halt mit den abgehobenen Kommentaren der Autoren versehen. Sicher nichts, was man unbedingt braucht. Bei mir hat dies keinerlei Eindruck hinterlassen.
P.S.: Der poetische Ausdruck der Hendrix-Songtexte wird trotz allem sehr schön beleuchtet, also doch noch etwas positives (das den zweiten Stern bringt).
Spannend, elegant, abgespaced!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Endlich mal eine Künstlerbiographie, die sich wirklich mit der Kunst des Künstlers beschäftigt nicht bloß die an sich langweiligen Lebensdaten aufsagt und die Künstlereskapaden pseudopsychologisch erklärt. (Verlangt schon Sokrates im Ion von den wahren Kunstverständigen, dass sie, statt unverstanden zu rezitieren, umfassend rezipieren.) Bei Theweleit und Höltschl steht Hendrix Musik im Vordergrund und die ist = Elektrik + Gitarre + Lyrik.
Wo kommt die her, fragen Theweleit und Höltschl, und antworten vielschichtig:
1. Sie ist überirdisch, kommt aus dem All, oder ist mindestens indianisch-schamanisch, auf jeden Fall Magie. Das kann man hören, versprechen die beiden, besonders da heute endlich gute Aufnahmen zu haben sind; und weil die Leser doch immer noch selbst zur Platte greifen müssen, verstärken die beiden ihre Hörempfehlung durch unmissverständliche Schilderungen von Leuten, die Hendrix live erlebt haben.
2. Die Musik kommt eben doch nicht wie ein deus ex machina, sondern Hendrix plötzlicher Erfolg in Europa ist das Ergebnis langer, mühevoller und harter Lehrjahre als Sideman in den USA und unablässigen Übens (der Linkshänder Hendrix spielt genauso links wie rechts oder mit geschlossenen Augen, hinter dem Rücken, mit den Zähnen, und indem er die Gitarre traktiert spielt er Verstärker, erzeugt Klänge, die vorher keiner sonst im Sinn hatte mit einem solchen Equipment). Hendrix elektronisch-instrumentale Meisterschaft steht aber nicht allein im leeren Raum, die zunehmende Emanzipation der Schwarzen (musikalisch: Blues, oder direkt außerparlamentarisch-politisch: Black Panther) geben Hendrix eine politisch relevante Note, auch seine Militärerfahrungen, der Vietnam-Krieg, die auflebende amerikanische Jugendbewegung.
3. Drogen. Die spielen einmal nicht ausschließlich die bad boy-Rolle, Hendrix frühen Tod zu erklären, sondern sind der Treibstoff seiner Kunst, sind für Hendrix zugleich Inspiration, Stimulation und Aufputschmittel für die extremen körperlichen Leistungen nächtelangen Übens und schweißtreibender Auftritte.
4. ... Am besten selber lesen, nicht nur was für Musikfreaks, nicht nur was für angehende Groupies, nicht nur was für Medientheoretiker...
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Produkt-Bild: Die Tagesschau erklärt die Wirtschaft: Das Wissensbuch

Die Tagesschau erklärt die Wirtschaft: Das Wissensbuch von Detlef Gürtler

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 17,50

3,5 von 5 Punkten
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871346128, Erscheinungsdatum: August 2008
Zoom ± Produkt-Bild: Die Tagesschau erklärt die Wirtschaft: Das Wissensbuch

2 Kundenrezensionen:

eher als Nachschlagewerk zu betracheten
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Grundsätzlich werden 6 Punkte (Markt, Geld, Unternehmen, Konjunktur, Arbeit, Weltwirtschaft)dem Leser näher gebracht- ohne Zahlen und Theorie, sondern hauptsächlich mit praxisbezogenen Beispiele. Am Ende jedes Kapitels werden lexikonartig einzelne Begriffe wie Schlussverkauf, Privatisierung, Preis,... erklärt. Geht nicht sehr in die Tiefe und ist m.E. nur für Menschen ohne jegliches Wissen über die Wirtschaft geeignet.
Ein Grundgerüst an Wissen zur Ökonomie
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch für die Bibliothek eines kommunalen Ausbildungsinstitutes beschaffen lassen. In der letzten Einführungsveranstaltung für die neuen Auszubildenden fragte ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin nach einem Buch, das "die Wirtschaft" einfach erklärt. Auf der Suche nach einem solchen Buch bin ich auf dieses Exemplar gestoßen. Ich habe mir das Buch soeben angesehen und auch einige Artikel gelesen. Ich bin der Meinung, dass es einfach aber nicht zu einfach geschrieben ist. Es ist durchaus für erwachsene Leser geeignet, auch wenn die Aufmachung eher etwas für Kinder/Jugendliche ist. Die Bebilderung finde ich dagegen für Erwachsene eher ungeeignet. Es sind zwar schön anzusehende Illustrationen, passend zu den Texten, diese sind aber eher für Kinder geeignet. Die Bilder erinnern an Kinderbücher. Mir fehlen hier Grafiken und Übersichten, wie z.B. Globus Infografiken. Das Buch gliedert sich in 6 Kapitel mit den Überschriften: 1. Markt, 2. Geld, 3. Unternehmen, 4. Konjunktur, 5. Arbeit und 6. Weltwirtschaft. In den einzelnen Kapiteln werden Stichworte wie z.B. Hedge-Fonds, Soziale Marktwirtschaft, Geldmenge, Venture Capital usw. genauer erläutert. Die Begriffe wirken willkürlich gewählt, mögen aber die Fachbegriffe aus einer Tagesschau-Sendung gut widerspiegeln.
Insgesamt halte ich das Buch für eine gelungene Einführung in wirtschaftliche Grund- und Fachbegriffe für Jugendliche und auch Erwachsene. Zuletzt möchte ich noch den Preis lobend hervorheben. Bei diesem Werk handelt es sich um ein hochwertiges gebundenes Buch, das sogar einen Einlegefaden besitzt. Für eine solche Qualität ist der Preis hervorragend.
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Produkt-Bild: Israel. Reise durch ein altes neues Land

Israel. Reise durch ein altes neues Land von Sylke Tempel

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 16,50

4,5 von 5 Punkten
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871345903, Erscheinungsdatum: April 2008
Zoom ± Produkt-Bild: Israel. Reise durch ein altes neues Land

3 Kundenrezensionen:

Unterhaltsam und informativ
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Pünktlich zum 60-jährigen Geburtstag Israels - am 14. Mai 1948 erklärte David Ben Gurion die israelische Unabhängigkeit - erscheint Sylke Tempels Reisereportage im Rowohlt Verlag. Mit viel Zeit und Offenheit hat sich die Autorin auf diese Reise begeben. Erklärtes Ziel: Die Korrespondentin-Brille absetzen und Israel mit neuen Augen sehen. Keine Interviews mit bedeutenden israelischen Persönlichkeiten führen, sondern Gespräche mit normalen" Menschen.
Und so bekommt der Leser ein sehr persönliches Buch geboten, ein buntes Gemisch aus Eindrücken, Gedanken und Interpretationen. Kenner der biblischen und politischen jüdischen Geschichte werden an den einen oder anderen Stellen vielleicht anderer Meinung sein. Für Einsteiger in jüdische Geschichte aber bietet es einen gut dosierten Einblick, der auf humor- und liebevolle Weise versucht die Gegensätze dieses Volkes für den Leser nachvollziehbar zu machen und von einer Autorin geschrieben wurde, die sich seit 25 Jahren mit Israel und dem Nahostkonflikt beschäftigt. So räumt Sylke Tempel mit einigen Klischees auf, lässt verschiedenste Stimmen zu Wort kommen, macht immer wieder Exkurse in die biblische und historisch-politische Geschichte eines Volkes, dessen Staatsgründung allein auf einer Idee basiert. Palästinenser kommen in diesem Buch nur zur Wort, wenn sie israelische Staatsbürger sind, das heißt aber nicht, dass sie in diesem Buch nicht existieren. Ganz im Gegenteil macht die Autorin das Wunschdenken der Israelis deutlich, pazifistische und beliebte Besatzungsmacht sein zu wollen. Auch die Unterschiede zwischen den ursprünglichen zionistischen Pionieren und den neuen" Einwanderern, deren Integration Israel immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, zeigt die Autorin auf.

Eine unterhaltsame und informative Reisereportage. Für alle, die nach Israel reisen werden oder wollen, ein Muss!
Überzeugend
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Welch eine Überraschung: Endlich ein Buch über Israel ohne die üblichen Klischees und Vorurteile. Statt dessen überzeugt die Autorin durch Sachverstand, Neugier auf Land und Menschen, und, ja man darf und soll es in diesem Zusammenhang sagen, mit einer gehörigen Portion Humor, den man bei diesem Thema nicht zwangsläufig vermutet. Sylke Tempel nimmt den Leser mit auf eine unvergessliche Israel-Reise.
Zugreifen und lesen!
Unvoreingenommen und tiefgründig
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Unvoreingenommen, unterhaltsam - manchmal richtig komisch - und doch tiefgründig. Diese Mischung ist selten, wenn es sich um das Thema Israel oder Nahost handelt.
Dies ist nicht nur ein Reisebericht, sondern auch ein zutiefst politisches Buch, das ganz offensichtlich von den langjährigen Erfahrungen der Autorin als Nahostkorrespondentin geprägt ist. Ein Buch, das sehr persönlich ist, aber überhaupt nicht einseitig. In dem sie ihre Begegnungen beschreibt, aber auch enorm viel Wissen erkennen lässt. Die Autorin, so schreibt sie in ihrem Vorwort, beschränkt sich bei ihrer Reise auf Israel in den Grenzen von 1967. Sie wünscht den Palästinensern "ihren eigenen Staat und ihren eigenen Chronisten". Besser kann man das nicht sagen - jedoch bedeutet das keineswegs, dass der Konflikt mit den Palästinensern zu kurz käme. Er ist sogar sehr präsent, wenn sie sich mit Soldaten unterhält, mit "neuzeitlichen Zeloten" unter den Siedlern oder den arabischen Staatsbürgern Israels.
Jemand, der Israel kennt, wird es zu schätzen wissen. Für jene, die das Land kennenlernen wollen,ist es ein absolutes Muss.
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Asiatische Absencen von Wolfgang Büscher

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 16,90, Angebote ab EUR 11,90

4,5 von 5 Punkten
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871346160, Erscheinungsdatum: Oktober 2008
Zoom ± Produkt-Bild: Asiatische Absencen

3 Kundenrezensionen:

Sprachliches Glanzstück
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Vom Titel her durchaus passend, dennoch für mich ein seltsamer Einstieg in "asiatische Absencen", der aus der Darstellung eines Fiebertraumes zu bestehen scheint. Dieser deckte sich nun überhaupt nicht mit meinen Erwartungen, und ich war drauf und dran, das Buch zur Seite zu legen. Erwartet hatte ich nämlich Beschreibungen und Erlebnisse wie ich sie beispielsweise von "In Asien: Mentalität · Kultur · Politik" kannte.
Daher auch der spontane Griff zu diesem Buch nach kurzem Stöbern in einem Buchladen. Der Sinn der ersten 38 Seiten erschloß sich mir nicht. Dies änderte sich auch nicht nach nochmaliger Lektüre. Wohlgemerkt: nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte. Glücklicherweise!
Die Erlebnisse auf einem Öltanker auf dem Weg von Dubai nach Singapur, die zweite Geschichte dieses Buches, stimmten versöhnlich, kam der Erzähler nach dem Staunen über den Sternenhimmel auf See, dem Ausbleiben der Piraten und dem Kricketspieler (!) an Bord doch endlich in Südostasien an.
Eines mutet auf dem Weg zur "Mehkong Mama" etwas merkwürdig an: Ein offensichtlicher Tagesausflug zum Buddha Beach auf Koh Samui, nur um Mopedfahren zu lernen und eine Runde zu schwimmen? Da wäre eine (durchaus verständliche!) Flucht von dieser Insel mir schon den einen oder anderen Satz wert gewesen. Und ich erinnerte mich an meine Zugfahrt von Singapur über Kuala Lumpur nach Bangkok, und beim Lesen kamen sie wieder: die Geräusche und vor allem die Gerüche! Spätestens hier war es mein Buch.
Beklemmend dann der letzte Bewohner Phnom Penhs, der den Schergen von Bruder Nr. 1 zu dienen hatte. Und sein Kampf gegen die Schweine - hier im wörtlichen Sinne, wohlgemerkt. Genial! (Nicht so verdichtet, doch nicht weniger erschütternd: Der weite Weg der Hoffnung.)
Auch der Vergleich Büschers Schilderungen mit meinen eigenen Erfahrungen in Phnom Penh und Siem Reap machten diesen Teil des Buches ausgesprochen lesenswert. Genauso wie "Unter Schamanen", das von einer doch etwas speziellen Reise in Nepal handelt.
Die letzte "Shangri-La" betitelte, nur neun Seiten lange Geschichte war dann schon recht heftig. Dazu fällt mir nur ein, was die Chinesen mit dem "Weltkulturerbe" Dali gemacht haben: Ein Disneyland übelster Sorte. Die Schilderungen in "Shangri-La" haben mich darin bestärkt: Ich werde nicht noch einmal nach Lhasa reisen, sondern die Stadt lieber so in Erinnerung behalten, wie ich sie vor gut 25 Jahren erleben konnte: Eine tibetische Stadt mit einer chinesischen Minderheit (!), der man sich auf dem Landwege noch in einer Zeit nähern konnte, die sich dem Ziel als angemessen erwies.
Abgesehen vom ersten Kapitel, ein Buch, das interessierte Asienreisende mit ausgesprochenem Vergnügen lesen werden. Darüber hinaus sprachlich auf angenehm hohem Niveau geschrieben, wozu, wie ich finde, auch die bewährte Rechtschreibung paßt.
Stille Sensationen
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
"Eine eigene Spannung erfaßt uns, wenn wir reisen, wenn wir ins Entlegene dringen. Wir schauen und schauen, fahren, fahren und reden kaum mehr. Wir sehen in einer Weise, die das Darüberreden verstummen lässt, mit dem wir uns gewöhnlich behelfen. Reine Gegenwart. Was wir sonst waren, verblasst, wie in der Liebe, wie in einem Kampf. Wir streifen durch fremdes Terrain - äußerste Wachsamkeit. Hier gilt sie keinem Hinterhalt, sie gilt dem, was in diesem Moment im Augenwinkel erscheint oder am Horizont. Der Moment ist ein scheues Wild, der Horizont immer dort, wo wir nicht sind. Eine unstillbare Jagd, wir wissen es. Die Jagd ist nur Vorwand. Was zählt, ist die Stunde am Rande der Lichtung."
Diese Worte läuten Wolfgang Büschers letzte Erzählung in seinen "Asiatischen Absencen" ein. Sie treffen den Duktus des gesamten schmalen Büchleins korrekt - allerfeinste, literarisch hochwertige Reiseliteratur, ein Genre, das deutschsprachigen Raum eher ein Nischendasein fristet. Derweil ist es in England und Amerika immer noch äußerst beliebt (z. Bsp. Bruce Chatwin, Patrick Leigh Fermore).

In dem vorliegenden Buch bewegt sich Büscher in einer ganz anderen, für uns Europäer fremden Welt - Asien. Was es so überaus lesenswert macht, sind die ganz subjektiven Empfindungen des Autors. Seine Stimmungen und Seelenlagen sind untrennbar mit den auf ihn einstürmenden Eindrücken verbunden. Diese ganz persönlichen Erinnerungsbilder verwebt er in seine Geschichten und knüpft daraus einen kunstvollen Teppich imaginierender Impressionen, die zwischen Verliebtheit und Befremden changieren. Büscher siedelt sein Erzählen an Autoren wie Joseph Conrad oder Rudyard Kippling an. Schriftsteller, die das Fremde in ihren Geschichten immer als das Fremde stehen lassen und nicht "so zu knutschen, so zu umarmen, dass dieses Fremde in dieser Umarmung zerdrückt wird.", konstatiert er in einem Interview.

Bleibt die Frage nach den Absencen. Was sind Absencen? Das Wort "Absence" ist französisch und bedeutet "Abwesenheit". Von Betroffenen - aber auch von Ärzten - wird der Ausdruck oft allgemein für das Symptom einer epileptischen Bewusstseinsstörung gebraucht. Wolfgang Büschers Reportagen haben jedoch keineswegs mit derartigen psychischen Abnormalitäten zu tun, aber trotzdem ist der Titel ungemein treffend gewählt. Denn sowohl Büscher als auch der Leser wird diese Abwesendheitszustände oder Bewusstseinspausen, erfahren. Man hält in seiner Bewegung inne, reagiert nicht auf die Umwelt, ist gefangen von seiner Prosa, seinen erzählten Erlebnissen.

Büscher nimmt den Leser mit durch ein drückend heißes Indien. Er lauscht den fremden Klängen eines Sitar spielenden Maharadschas in dessen Palast, entwindet sich den Versuchen eines Mönches, ihn in einem Ashram zu bekehren und kuriert letztendlich in einem verlassenen ehemaligen Kolonialkrankenhaus ein plötzlich befallenes Fieber.
In Dubai wird er als Mitfahrender eines Öltankers eingeschifft, der ihn nach Singapur bringt. Fasziniert betrachtet er den schwarz-samtenen Umhang der Nacht, bestickt mit tausenden Brillianten - den Sternen - und fügt sich allmählich dem gelasseneren Umgang mit der Zeit.
Büscher erlebt das stille Tokio ohne Dächer und philosophiert mit einem englischen Barbesitzer in Burma.

Von erschütternder Schönheit sind seine klebrig-heißen Erlebnisse und magischen Epiphanien der tropischen Fahrt von Singapur über Thailand nach Hongkong und weiter zu den blutigen Reisfeldern Kambodschas, um letztendlich in Vietnams zu stranden. Unterwegs trifft er einen mysteriösen Mann, der ihn in seine Geheimnisse aus der Zeit der Roten Khmer einweiht.

Die längste und beeindruckendste Erzählung hat er in Nepal angesiedelt, im Himalaja, in den Bergen nahe der tibetischen Grenze. Hier gerät Büscher in den Bann von Schamanen und erfährt tatsächlich persönliche Absencen, als er von ihnen in Trance getrommelt wird. Die stillen Sensationen, die Hochgebirgseinsamkeit Innerasiens, die Magie des Ortes wird eins zu eins an den Leser übertragen. Raum und Zeit scheinen zu verschwimmen. Büscher macht seine Erlebnismembran durchlässig und dadurch die Götter der Himalajabewohner dem Leser fühl- und erlebbar. Als überaus wohltuend erweist sich, das er seine eigenen Befindlichkeiten stets in den Hintergrund stellt.

Auf den Leser wirken Büschners "Absencen" noch lange Zeit nach. Ernsthafte "Komplikationen" sind jedoch nicht zu erwarten. Eine medizinische Indikation des sich tatsächlich einstellenden Wahrnehmungsrisses ist nicht erforderlich, denn dieser hat während der Lektüre nur Auswirkungen auf die laute, allgegenwärtige Welt. Was kann es besseres geben.

Fazit:
Gegenwart und Erinnerung, unbekannte Gerüche und tropische Hitze, alles verschmilzt in der fremden Ferne. Wolfgang Büschers "Asiatische Absencen" verfremden den eigenen Blick, um das Neue erfahren zu können.
Eine unbedingte Leseempfehlung für dieses aufschlussreiche, ehrliche und erzählerisch spannende Buch.
Asien poetisch und hautnah
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Wolfgang Büscher vermag es mit seinem Buch den Leser gleich zu Beginn in
ein fesselndes asiatisches Ambiente zu versetzen. Trotz poetischer Dichte
eine angenehm leichte Lektüre die dem Leser die fernen Welten des östlichen
Kontinentes näher bringt. Sehr empfehlenswert sowohl für langjährige Asien-Freunde
als auch für die Erst-Konfrontation.
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Produkt-Bild: Allein unter 1,3 Milliarden. Eine chinesische Reise von Shanghai bis Kathmandu

Allein unter 1,3 Milliarden. Eine chinesische Reise von Shanghai bis Kathmandu von Christian Y. Schmidt

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 17,20

4,5 von 5 Punkten
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871346020, Erscheinungsdatum: August 2008
Zoom ± Produkt-Bild: Allein unter 1,3 Milliarden. Eine chinesische Reise von Shanghai bis Kathmandu

5 Kundenrezensionen:

300 Seiten Belanglosigkeiten, amüsant erzählt
2 von 5 Punkten 2 von 5 Punkten
Ich kann mich den 5-6 Sternen anderer Rezensenten nicht anschliessen: das Buch ist ein amüsant geschriebener Reisebericht, doch was bleibt nach der Lektüre? Über China oder gar Tibet erfährt man wirklich nur belangloses aus der Perspektive eines, so scheint es, kulturell und sprachlich uninteressierten Rucksacktouristen, der ausser Internet-Cafes und Restaurants kaum etwas anderes auf den 5000 km gesehen hat, nicht Chinesisch lesen kann und immer noch seinen Alt-Maoistischen Träumen nachhängt. Dass sich der Autor zum Schluss des Buches dann damit brüstet, sich in Kathmandu erst mal eine schokoladentafelgrosse Packung Hasch besorgt zu haben um sich die lang ersehnte Dröhnung zu geben, ist dann der Gipfel des Abenteuers.
Mein Urteil: locker zu lesen (an Vulgärausdrücken sollte man sich nicht stören), lohnt aber die Lektüre nicht!
Letztlich gutes Buch
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Das Buch ist in diesem unvergleichlich locker-ironischen Sound abgehalten, wie man ihn von Passig, Lobo, Friebe kennt. Also die junge Generation der zentral-intelligenten Nachwuchs-Schreiber aus Berlin. Wem der Name des Autors so wie mir überhaupt nichts sagt: ja, auch Herr Schmidt steckt mit unter der ZIA-Decke. Er ist zwar schon ein bißchen älter, und das merkt man seinem Bericht auch an, die spitze Ironie ist nicht mehr ganz so scharf und treffend wie bei seinen Vorbildern, aber das macht irgendwie auch nichts. Und wenn man das Original will, kann man ja weiterhin Friebe usw. lesen. So aber ist das Buch auch gut für Leute geeignet, die es nicht so hart mögen und spricht dadurch wohl viele Menschen an. Was nicht schlecht sein muß. Herr Schmidt bringt auf jeden Fall China gut auf den Punkt. Ein gelungenes Ausnahme-Reisebuch. Nur vier Sterne, weil es nicht besonders originell ist, was aber beim Lesen nach einer Weile nicht mehr auffällt. (Eigentlich wollte ich nur drei Sterne geben, aber für das sehr gelungene Cover gibt's auch noch mal einen.)
Vom Vergnügen, ein Chinese zu werden
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Mit einer Chinesin verheirat lebte Christian Y. Schmidt zwei Jahre lang in Peking, bewegte sich in komischen ausländischen Möchtegernkünstlerkreisen, ehe er einen Beschluss fasst: Er möchte Land und Sprache besser kennenlernen und überhaupt ... Chinese werden. Dazu reist er von Shanghai über 5000 Kilometer die Straße 318 entlang bis nach Nepal, testet Gebräuche, Speisen und Religionen (Buddhismus vs. Daoismus), um an Ende, als ehemals leidenschaftlicher Anhänger, die weltweit letzten Maoisten in Kathmandu zu treffen. Es ist eine oft surreal anmutende Reise der Kuriositäten, begleitet von ungezählten Menschen, für die Schmidt selbst die größte Kuriosität ist: Man behandelt ihn wie einen Popstar, wie einen Außerirdischen oder einfach wie Luft. Die fremde Kultur bringt Millionenstädten hervor, die in einer handvoll Jahren aus dem Nichts entstanden sind und eine Sprache, in der aus einem harmlosen Wort, etwas höher gesprochen, eine schlimme Beleidigung wird. Menschen kommen in existentielle Not, wenn sie Schmidt den Weg nicht erklären können. Einem, der ihn herzlich mit "Heil Hitler" (oder wie das bei den Chinesen klingt) grüßt, zeigt er den Vogel, womit er ihm scharfen Verstand attestiert.

Falls "Ich bin dann mal weg"-Fans mitlesen: Im Unterschied dazu ist "Allein unter 1,3 Milliarden" richtig gut, ja formidabel geschrieben und die Handlung dicht erzählt. Handwerklich hat Schmidt einiges zu bieten: indirekte Schilderung, Handlungsstränge, die an überraschender Stelle wieder auftauchen, raffiniertes Spiel mit den Erwartungen des Lesers und wundervoll dadaistische Zusammenfassungen am Anfang der Kapitel. Dazu kommt, dass diese 300 Seiten humoristisch um Klassen besser sind als der Millionenseller. Das liegt neben Schmidts souveränem Umgang mit den Nuancen der Sprache an seinem präzisen und feinen Einsatz der Ironie, wobei er niemals und höchstens selbstironisch auf billige Gags setzt und immer einen Schritt weiter denkt als man erwarten würde. Beispielsweise demonstriert er, dass der Westen in seiner Chinakritik immer danebengelegen habe, und so geht er davon aus, dass das heute nicht anders sei. Er erkennt skurrile Querverbindungen mit deutschen Phänomenen und Orten und bindet ganz nebenbei wunderbar flüssig Hintergrundsinformationen ein. Allein die Tibet- und Dalai Lama-Kritik am Ende wirkt ein wenig deplaziert.

Christian Y. Schmidt verschreibt sich ganz dem Abenteuer, Chinese zu werden. Wenn man "Allein unter 1,3 Milliarden" liest, möchte man fast selbst einer werden. Zumindest aber etwas abhaben von Schmidts Beobachtungsgabe und ganz eigener kluger, komischer, selbstironischer Weltsicht. Das lustigste Buch, das ich seit langem gelesen habe.
Tolle Reise ohne mich
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
War selbst noch nie in China, aber Freunde haben mich immer genervt, das ich da mal hinfahren soll. Habe mir letzte Woche das Buch im Laden gegriffen, weil mich der Umschlag und der Titel anmachten, und das Ding am Wochenende durchgelesen. Tolle Reise, es macht Spaß, sich von Schmidt über die vielen tausend Kilometer durch China und Tibet mitnehmen zu lassen. Und ich gratuliere mir dazu das ich ncht selbst diese Reise gemacht habe. Trauen würde ich mich sowieso nicht, und es ist viel lustiger, sich die Erlebnisse von Schmidt erzählen zu lassen als selbst in einer chinesiscen Wäscherei zu stehen und sich über die eigenen schmutzigen Klamotten zu schämen und sie wieder mitzunehmen. Das Top-Chinabuch für alle, die da gar nicht hinwollen!
absolut lesenswert!!
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Christian Y. Schmidt begibt sich auf eine Reise quer durch China. Sein Ziel ist es Chinese zu werden. Vorraussetzung dazu ist es sein Volk ganz genau zu kennen. Er fährt ganz alleine und mischt sich unter das chinesische Volk. Von Shanghai geht es bis nach Kathmandu in Nepal auf der Nationalstraße 318. Er findet sich immer wieder in skurrilen, sonderbaren Situationen wieder und versteht es, diese auf witzige und charmante Art zu beschreiben. Aufgrund der Sprachbarriere kommt es oft zu Komplikationen und Missverständnissen, die er aber durch seine entspannte und offene Art mit Bravour meistert.
Durch dieses Buch wird den deutschen die chinesische Kultur und Lebensweise ein ganzes Stück nähergebracht - es ist zwar oft anstrengend und teilweise stressig für uns Europäer sich im Land zurecht zu finden aber trotz allem sind die Chinesen ein außerordentlich interessantes und liebenswertes Volk, von dem man sich auch eine ganze Reihe für die eigene innere Geisteshaltung gewinnbringend abgucken kann!
Ein Muss für alle China-Interessierten! Und die, die lieber zuhause bleiben wollen können sich nun so lesend auf die exotische Reise begeben!
Ob Christian Y. Schmidt jetzt selbst Chinese geworden ist verrate ich natürlich hier nicht..
Also kaufen und lesen!
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Produkt-Bild: In 80 Tagen um die Welt

In 80 Tagen um die Welt von Helge Timmerberg

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 10,00

3 von 5 Punkten
3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871345938, Erscheinungsdatum: Juni 2008, Auflage: 3., Aufl.
Zoom ± Produkt-Bild: In 80 Tagen um die Welt

5 Kundenrezensionen:

Alter Mann kifft.
1 von 5 Punkten 1 von 5 Punkten
Noch kompakter kann man den Inhalt nicht zusammenfassen. In 80 Tagen um die Welt, auf der Route von Phileas Fogg heute noch einmal reisen. Die Idee gefiel, auf dem Umschlag klang es noch, als würde Timmenberg tatsächlich durch diese Länder reisen.

Leider war dem nicht so - was man hier lesen kann sind die Erlebnisse eines - im Kopf - alten Mannes der gerne wieder so reisen würde wie früher, der sich wünscht, die Zeit wäre stehengeblieben. Am Unterhaltsamsten sind tatsächlich noch Timmenbergs Flashbacks, aber ansonsten beschränkt er sich auf Flughafenhopping mit anschließendem Absturz durch saufen, kiffen oder beinahehuren. Anschließend verbrämt er seinen dazugehörigen Kater moralisch und hat dadurch immer wieder die neuste Erleuchtung des Banalen. Von Land und Leuten bekommt man nur am Rande etwas mit, wenn überhaubt, denn meist beschränkt sich sein Aufenthalt auf Luxushotels, die er auf direktem Wege vom Flughafen aus ansteuert - um sich dann nur noch minimal von diesen Fortzubewegen. Dabei lässt er keine noch so offensichtliche Touristenfalle aus.

Dabei geht er so oberflächlich an die bereisten Länder heran, wie es kein Tourist schaffen würde - er beschränkt sich auf zusehen statt mitmachen, schauen statt erleben - aber wie soll er auch tiefer eintauchen in die Wiklichkeit die sich ihm bietet - er gibt ihr keinerlei Chance dazu.

Ein belangloses Buch mit einem guten Ansatz bei miserabeler Umsetzung. Wer mehr lesen möchte als den Selbstfindungstripp eines alten Mannes, der sollte es lieber im Regal liegen lassen.
Was anderes drin als draufsteht
1 von 5 Punkten 1 von 5 Punkten
Eher psychologisch interessant als ein Reiseabenteuer. Der Autor schreibt zwar locker lustig, schreibt aber leider wenig vom jeweiligen Land, sondern v.a. über Hotelzimmer, Alkohol, Rauchen und bedauert, dass ihm das Reisen nicht mehr so viel Spaß macht wie als junger Mann. Dafür hätte er aber auch in Deutschland rumreisen können. Einzig die Beschreibung Indiens ist interessant. Den dritten Teil der drei Teile des Buches habe ich allerdings nicht mehr gelesen. Wer sich in der Midlifecrisis befindet, dem bringt das Buch vielleicht was, aber wer einen Abenteuerreiseroman sucht, soll sich lieber an Jules Verne halten.
ganz ansprechend
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
es gibt bessere bücher von timmerberg als dieses - aber es gibt auch weit schlechtere autoren. denn selbst ein schlechter timmerberg ist immer noch besser als viele andere selbst ernannte reiseschriftsteller. denn eins passiert bei ihm nie: man langweilst sich niemals und wird immer bestens unterhalten. dieser round-trip ist ja von der idee her nicht neu und ein bisschen simpel als ausgangsidee (deshalb bekommt er von mir auch weniger sterne), ist aber durchgehend lustig und amüsant beschrieben.
Es kommt auf die Erwartungen an
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
wie ich den vorhergehenden Rezensionen entnehmen kann, spaltet das Buch die Leserschaft. Die Enttäuschten sind Jules-Verne-Fans, die Begeisterten sind Helge-Timmerberg-Fans.

Zugegebenermaßen hat das Buch mit der Reise des Phileas Fogg nur am Rande zu tun. Das liegt aber auch daran, dass Mr. Fogg eine literarische Figur ist und Jules Verne die Reise selbst nicht gemacht hat. Man kann sich also nicht auf die Suche nach Originalschauplätzen begeben. Timmerberg stellt dies aber auch gleich zu Beginn seines Buches klar.

Also interpretiert Helge Timmerberg die Reise sehr frei. Der Leser, der Timmerberg mag, und dem Reisen auch eine philosophische Komponente abgewinnt, kommt voll auf seine Kosten. Allerdings muss man wissen, dass Timmerberg als Person nicht ganz stubenrein ist. Von Sex, Drugs und Esoterik darf man sich also nicht abgestoßen fühlen. Wer gern über Reisen, Rauchen, GoGo-Girls und Diktatoren liest, wird nicht enttäuscht. Wer eine Nach-Reise des Jules Verne Abenteuers sucht, kann nur enttäuscht sein.

Meinen Geschmack hat das Buch voll getroffen. Armchair-Travelling für Backpacker und andere eher alternative Touristen. Einen Punkt Abzug für den zugegebenermaßen dreisten Marketing-Gag mit dem Titel.
Es kommt auf die Erwartungen an
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
wie ich den vorhergehenden Rezensionen entnehmen kann, spaltet das Buch die Leserschaft. Die Enttäuschten sind Jules-Verne-Fans, die Begeisterten sind Helge-Timmerberg-Fans.

Zugegebenermaßen hat das Buch mit der Reise des Phileas Fogg nur am Rande zu tun. Das liegt aber auch daran, dass Mr. Fogg eine literarische Figur ist und Jules Verne die Reise selbst nicht gemacht hat. Man kann sich also nicht auf die Suche nach Originalschauplätzen begeben.

Also interpretiert Helge Timmerberg die Reise sehr frei. Der Leser, der Timmerberg mag, und dem Reisen auch eine philosophische Komponente abgewinnt, kommt voll auf seine Kosten. Allerdings muss man wissen, dass Timmerberg als Person nicht ganz stubenrein ist. Von Sex, Drugs und Esoterik darf man sich also nicht abgestoßen fühlen. Wer gern über Reisen, Rauchen, GoGo-Girls und Diktatoren liest, wird nicht enttäuscht. Wer eine Nach-Reise des Jules Verne Abenteuers sucht, kann nur enttäuscht sein.

Meinen Geschmack hat das Buch voll getroffen. Armchair-Travelling für Backpacker und andere eher alternative Touristen. Einen Punkt Abzug für den zugegebenermaßen dreisten Marketing-Gag mit dem Titel.
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Produkt-Bild: 'Der Traum meines ganzen Lebens': Humboldts amerikanische Reise

'Der Traum meines ganzen Lebens': Humboldts amerikanische Reise von Werner Biermann

Gebundene Ausgabe von Rowohlt Berlin Verlag GmbH
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 15,00

5 von 5 Punkten
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871346012, Erscheinungsdatum: März 2008
Zoom ± Produkt-Bild: 'Der Traum meines ganzen Lebens': Humboldts amerikanische Reise

Eine Kundenrezension:

Grandioses Charakterbild
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch gerade im Urlaub verschlungen. Schon länger bin ich an der Person Alexander von Humboldts interessiert und kann von daher sagen, dass dieses Buch eine sehr detailreiche, liebevolle und aufwendige Charakterstudie darstellt. Auch wenn es sich wie der Titel sagt hauptsächlich um Humboldts Amerikareise handelt die beschrieben wird, so gibt es dennoch auch Einblicke in seine Jugend auf Schloss Tegel und sein Wirken bis zum Tod. Gerne hätte ich weiter gelesen - der Schreibstil ist sehr angenehm undman merkt dem Autor an, dass er weiß wovon er spricht.
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