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Produkt-Bild: Ihm in die Augen sehen - Meine verlorene Kindheit

Ihm in die Augen sehen - Meine verlorene Kindheit von Sabine Dardenne, Marie-Therese Cuny

Gebundene Ausgabe von Droemer/Knaur
Preis bei Amazon: EUR 17,50, Angebote ab EUR 7,30

4,5 von 5 Punkten
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3426273675, Erscheinungsdatum: 2004, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Ihm in die Augen sehen - Meine verlorene Kindheit

Aus der Amazon.de-Redaktion


„Ich war zwölf, nahm mein Fahrrad und machte mich auf den Weg zur Schule. Ich heiße Sabine. Ich wohnte in einem belgischen Dorf, und auf dem Weg zur Schule bin ich verschwunden“. - So rührend lapidar beginnt der Bericht über ein Martyrium. Am 28. Mai 1996 wurde Sabine Dardenne entführt und gefangen gehalten von dem Mann, den sie in ihrem Buch nur als „Monster“ oder „Dreckskerl“ tituliert. Bis zu ihrer Befreiung befand Sabine sich achtzig Tage in den Fängen des belgischen Kinderschänders und Mädchenmörders Marc Dutroux. Acht Jahre später wirft sie einen erschütternden Blick zurück.
Der Schrecken begann in Gestalt zweier Männer in einem schäbigen Lieferwagen, die sie von ihrem Rad rissen und unter Drogen setzten. Während in ganz Belgien die Fahndung anrollt, beginnt Sabines Albtraum: Angekettet im dunklen Verlies, die modrige Matratze, Dutroux` verlogene Lösegeldstory, verzweifelte Briefe an die Eltern, die nie abgesandt werden, die gierigen Hände des Mannes mit den fettigen Haaren, die Nacktfotos. Schließlich die Vergewaltigungen (man ist dankbar für das Ausblenden der fürchterlichsten Details). 173 Seiten eines grauenhaften Protokolls zerren an den Nerven.
Dann die Befreiung. Auf Drängen Sabines nach einer „Gefährtin“, entführt Dutroux Laetitia Delhez. Doch nun ist die Polizei auf der Spur des Mannes, der wegen „guter Führung“ vorzeitig entlassen wurde. Nach der Rettung bleiben Schuldgefühle gegenüber Laetitia und Scham gegenüber den Eltern. Sabine lehnt Therapieangebote ab. Ihr simples, aber pragmatisches Rezept: Das Vergangene wird ausgeblendet. Der Selbstheilungsprozess beginnt.
Man mag es Verdrängung nennen, es funktioniert...bis zum letzten, schwersten Gang: Das Wiedersehen mit dem Peiniger und seinen Helfershelfern vor Gericht. Doch auch in dieser Extremsituation zeigt Sabine Standfestigkeit. Die ungewohnte Gerichtssituation irritiert mehr, als der Blick in Dutroux` Augen. Die Bitte um Verzeihung, geäußert von seiner Frau, verweigert Sabine. Zu groß ist der Hass. Eine Reaktion, die nach all den widerfahrenen Ungeheuerlichkeiten nur zu verständlich ist. Dutroux` Verbrechen ließen die gesamte belgische Nation bis in ihre Grundfesten erbeben. Sabine Dardennes mutige Erinnerungen fassen den Horror nachträglich in grausige Bilder. -Ravi Unger
© 1998-2009 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

5 Kundenrezensionen:

Einfach spitze
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Dieses Buch spiegelt einfach unglaublich. Während des Lesens musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass das alles Wirklichkeit ist und nicht irgend ein Film. Den Mut, den die Schriftstellerin bewiesen hat in dieser schweren Zeit, kann man deutlich beim Lesen erkennen. Es ist absolut kein Buch was man ohne Widerwillen einfach so weglegen kann. Man möchte es am Liebsten gleich durchlesen.
Zu wenig Details
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Den Roman "Ihm in die Augen sehen" fand ich sehr gut geschrieben. Er liest sich sehr autentisch. Leider haben mir etwas die Details gefehlt. Wenn ich mir ein solches Buch kaufe, möchte ich meine Augen vor der Wahrheit nicht verschließen. Sabine beschreibt eigentlich gar nicht, was ihr Entführer mit ihr macht. Aus 2-3 Stellen kann man lesen, dass es sich um Sex handelt, viel mehr aber nicht. Ich verstehe sehr wohl, das Sabine ihr Erlebtes nicht noch einmal beschreiben möchte, doch ich hätte es mir eben erhofft, um mich besser in Sabine hinein zu versetzen können.
bewegend...
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Dieses Buch gehört zu denen, die tief bewegen und die man so schnell nicht vergisst. Ich bewundere dieses kleine Mädchen, das sich damals nicht hat unterkriegen lassen und diesem Monster die Stirn geboten hat.

Diejenigen, die reißerische Details über die Misshandlungen erwarten (oder gar erhoffen) sind aber zum Glück an der falschen Adresse.

Auf jeden Fall lesenswert!!!!
Starker Tobak
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
An den Skandal um Dutroux erinnere ich mich noch sehr lebhaft. Im Gegensatz zu vielen anderen schrecklichen Geschichten ist diese Sache auch nicht in Vergessenheit geraten. Leider gibt es Leute, die das ganze Land Belgien mit Dutroux identifizieren. Vor ca. einem Jahr habe ich auf einer Party eine Belgierin kennengelernt, und ein taktloser Mensch sagte ihr nach zwei Minuten Bekanntschaft, bei Belgien denke er immer als erstes an den Fall Dutroux... Sie hat es zum Glück gelassen aufgenommen.

Die Autorin dieses Buches ist eines der beiden Dutroux-Opfer, das überlebt hat. Sie war zwölf, als sie 1996 auf dem Schulweg gekidnappt wurde angesprungen, vom Rad gezerrt und in einen Lieferwagen geworfen. Man fühlt sich hilflos, wenn bei Sabines Schilderung klarwird, daß sie absolut keine Chance hatte. Dutroux und ein Komplize haben ihr eine Woche lang aufgelauert und einfach auf einen günstigen Moment ohne Zeugen gewartet. Schneller als ich denken konnte, befand ich mich im Innern des Kastenwagens (...). Natürlich habe ich versucht, mich zu wehren, aber ich war viel zu klein. Ich war zwölf, sah aber aus wie zehn, ein Meter fünfundvierzig, dreiunddreißig Kilo (...). Das Ganze (...) hat sicher eine Minute gedauert. Die Tips, die Kinder für solche Fälle bekommen schreien, hauen, treten -, klingen da nur noch so ratlos und untauglich, wie sie sind.

Dutroux sperrt Sabine ein und erzählt ihr eine absurde Geschichte: Er sei ihr Beschützer und würde sie bewachen, und zwar vor irgendeinem fiesen Chef, der Lösegeld von ihren Eltern fordere die könnten nicht zahlen, und deshalb müsse sie bei ihm, Marc Dutroux, bleiben. Sabine glaubt ihrem Entführer, sie glaubt ihm sogar, daß er die Briefe, die sie ihren Eltern schreibt, wirklich ihren Eltern zukommen läßt. Daß sie einem Kriminellen in die Hände gefallen ist, wird ihr nicht klar sie ist eine verängstigte Zwölfjährige, die raffiniert manipuliert wird.

Sabine haust unter menschenunwürdigen Bedingungen, Dutroux erklärt sie zu seiner neuen Frau und beginnt, sie zu vergewaltigen großzügig verwendet er dafür Gleitmittel: Er hat mich 'davor' mit einem Gleitmittel eingeschmiert: 'Wir machen das jetzt so, dann ist Ruhe. (...) Hör auf zu heulen (...) beim ersten Mal tut es eben weh. Genauer werden die Schilderungen nicht, und ich war froh darüber mir hat sich schon bei diesen Andeutungen der Magen umgedreht. Daß hier Leute das Fehlen detailgetreuer Vergewaltigungsszenen beklagen, läßt mich erschauern. Es ist doch kein Wunder, wenn Sabine darüber nicht sprechen will oder kann, und die Beschreibung ihres Martyriums ist auch ohne pornographische Einzelheiten schrecklich genug: ein enges Verlies, ein Eimer als Toilette, eine sich auflösende Schaumstoffmatratze, widerlicher Dosenfraß, Ungeziefer, zeitweise nur ein Schlüpfer als Bekleidung... Wem das nicht gruselig genug ist, dem ist nicht mehr zu helfen!

Daß Sabine nicht wahnsinnig geworden ist in den achtzig Tagen Qual, ist ein Wunder. Sie zählt die Tage und schreibt Briefe, um sich irgendwie abzulenken.

Eines Tages ist noch ein Mädchen da Laetitia, 14 Jahre alt. Sabine fühlt sich offenbar bis heute schuldig, weil sie gejammert hat Ich brauche eine Freundin zum Reden und Dutroux bei Laetitias Ankunft sagt: Ich habe dir eine Freundin mitgebracht. Vor Gericht erklärt er auch noch frech, Sabine hätte ihm keine Ruhe gelassen! Das ist natürlich Unsinn, erstens war sie kurz vor dem Verrücktwerden, zweitens war ihr noch nicht klar, was für ein Mensch Dutroux wirklich ist, und drittens hätte er Laetitia sicher auch ohne Sabines Wunsch entführt. Laetitia meint, Sabine schon einmal gesehen zu haben, und sie weiß auch, wo: Auf Fotos, mit denen mittlerweile ganz Belgien tapeziert ist. Du wirst gesucht, versichert sie ihr. Sabine glaubt ihr nicht, denn Dutroux hat ihr weisgemacht, ihre Eltern hätten sie längst aufgegeben.

Kurz nach Laetitias Entführung ist das Elend der beiden Mädchen zu Ende, denn endlich kommt die Polizei Dutroux auf die Schliche. Der Täter ist nicht einmal besonders geschickt: Er fährt ein schrottreifes Auto mit ungeheuer lautem Auspuff, also eins, das auffallen muß. Als die Polizei Laetitia sucht, erinnern sich zum Glück mehrere Leute an diesen Wagen die Polizei ermittelt den Halter und erfährt, daß dieser einschlägig vorbestraft ist. Sie finden das Versteck und die beiden Mädchen gesucht hatten sie eigentlich nur Laetitia, Sabine lebend zu finden, hatten sie schon aufgegeben.

Erst jetzt begreift Sabine, daß Dutroux sie ausgetrickst hat, daß es gar keinen Chef und keine Lösegeldforderungen gab, daß sie die ganze Zeit gesucht wurde und Dutroux ein Sadist ist. Daß sie in Lebensgefahr war, daß Dutroux sie und Laetitia höchstwahrscheinlich umgebracht und sich danach wieder neue Opfer gesucht hätte, wird ihr endgültig klar, als sie die Fernsehbilder sieht, auf denen Bagger Dutrouxs Garten umgraben. Anscheinend war es seine Strategie, immer zwei Mädchen gemeinsam zu entführen auch das zeigt, daß es allein Dutrouxs Idee war, Laetitia zu entführen und Sabine nichts damit zu tun hatte.

Die Freude ist riesengroß, als Sabine wieder da ist sie selbst hat nur ein Ziel: Ihr normales Leben wieder aufnehmen und vergessen, was ihr passiert ist. Mit 17 hat sie ihren ersten Freund, obwohl sie ihre schrecklichen Erlebnisse noch lange nicht überwunden hat. Dutroux hat sie also nicht kleingekriegt bewundernswert!

Wie ich Sabine Dardennes Aufzeichnungen entnehme, ist ihr zumindest eins erspart geblieben nämlich, daß ihr als Opfer eine Mitschuld am Geschehenen zugeschoben wurde, daß Leute behaupteten, sie habe irgend etwas an sich gehabt, das den Täter auf sie hatte aufmerksam werden lassen. Das ist also NICHT passiert, Gott sei Dank, zumindest schreibt Sabine nichts davon ich habe beim Lesen die ganze Zeit befürchtet, auf so etwas zu stoßen, diese Ansicht ist nämlich leider ziemlich verbreitet (wer's nicht glaubt, der lese meine Rezension zu Kraftzentrale Unterbewußtsein von Erhard F. Freitag und den ersten Kommentar dazu).

Einige Reaktionen sind auch so schlimm genug z. B. sagt ein Geschworener zu Laetitia: Sie hatten also Ihre Tage und behaupten trotzdem, er habe Sie vergewaltigt! Aha Menstruation ist also ein Schutz vor Vergewaltigung???

Sabine schildert ausführlich Dutrouxs Verhalten nach seiner Verhaftung der Mann erzählt jeden Tag eine neue Geschichte, präsentiert immer neue Versionen und führt alle an der Nase herum. Immer gleich bleibt nur seine Ausrede, er sei es gar nicht gewesen, habe das Opfer XY nur betäubt, den Mord begangen habe sein Komplize Sowieso usw. Am Ende glauben viele seinen Behauptungen, er sei nur ein Teil eines Netzwerks von Kinderschändern, das bis in die höchsten Kreise der Politik hineinreiche. Alles Lüge, wie sich zeigt: Dutroux hat nur eine Handvoll Komplizen, darunter seine Frau. Anscheinend hat er sich buchstäblich im Rampenlicht gesonnt und sich einen Spaß daraus gemacht, alle zum Narren zu halten. Dutroux und seine Frau Michele Martin haben übrigens eigene Kinder die sind zu bedauern, alle haben ihre Namen geändert, weil sie Schikanen ausgesetzt waren. Dabei können sie ja nun wirklich nichts für ihre Eltern und verdienen Mitleid, weil sie mit dem Wissen leben müssen, Kinder von Schwerverbrechern zu sein.

Es dauert 8 Jahre, bis Dutroux endlich der Prozeß gemacht wird, Sabine ist mittlerweile erwachsen und schafft es, ins Gericht zu gehen und ihrem Peiniger in die Augen zu sehen. Sie begegnet auch einer Frau, deren Tochter vermißt wurde die Mutter glaubte, sie sei Dutroux in die Hände gefallen. Wie sich erst 2004 herausstellt, war es in diesem Fall nicht Dutroux, sondern Fourniret, ein anderer Perverser. Der hat seine Opfer freundlicherweise gleich umgebracht und sie nicht noch monatelang traktiert.

Was an dieser Geschichte so wütend macht, ist, wie Sabine sagt, der Wiederholungsfall - die Tatsache, daß Dutroux kein unbeschriebenes Blatt war. Er war mehrfach vorbestraft und wurde trotzdem vorzeitig wegen guter Führung aus der Haft entlassen. In seinem Fall hatte sich nicht einmal ein Gutachter geirrt und eine falsche günstige Sozialprognose abgegeben nein, der Gefängnispsychologe hatte ausdrücklich GEGEN Dutrouxs Freilassung votiert. Warum kommen solche Leute wieder frei? Es zeugt wirklich von einer erschreckenden Weltfremdheit, wenn man sie für therapierbar hält. Und selbst wenn sie therapierbar wären und keine Gefahr mehr darstellten: Ihre Schuld ist so groß, daß sie verdienen, den Rest ihres Lebens hinter Gittern zu verbringen. Ich gehöre keineswegs zu den Stammtisch-Politikern, die nun nach dem Henker rufen und eine Wiedereinführung der Todesstrafe fordern, aber: Wer für die Resozialisierung solcher Leute ist, der muß sich fragen lassen, ob er so jemanden gern als Arbeitskollegen oder Nachbarn hätte...

Hoffnungslos naiv und unrealistisch wirkt die geäußerte Hoffnung, Fälle wie der von Dutroux würden sich nicht wiederholen. Leute wie Dutroux, Fourniret, Fritzl und Konsorten wird es immer geben, solange gefährliche Psychopathen mit Bewährungsstrafen davonkommen da hilft kein Weißer Marsch, sondern nur längere Haftstrafen, Sicherheitsverwahrung und, wenn man tatsächlich jemanden wieder freiläßt, lebenslange Überwachung. Dutroux hat sich im Knast gut geführt, aber nicht aus Reue oder Einsicht, sondern nur, um bald wieder rauszukommen und seinen Neigungen weiter nachgehen zu können, und zwar mit dem Ziel, diesmal nicht erwischt zu werden. Und daß er 1998 aus der Haft fliehen konnte, zeigt ja auch, daß er nicht allzu streng bewacht wurde. Da fragt man sich: Was muß denn noch passieren?
Bewundernswert
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Ich hab das Buch mittlerweile schon mehrmals gelesen.. Wer eine detailierte beschreibung des grauens will ist hier zum Glück falsch.. auch ohne eingehende details ist es eine erschütternde geschichte..Ihm in die augen sehn und den Teufel besiegen.. Ohne sich vor jede Kamera zu schmeißen wie manch andere..
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Produkt-Bild: Ihm in die Augen sehen. 5 CDs

Ihm in die Augen sehen. 5 CDs von Sabine Dardenne, Marie Bierstedt

Audio CD von Lifetime
Preis bei Amazon: EUR 13,99, Angebote ab EUR 6,00

ISBN: 393912107X, Erscheinungsdatum: April 2006, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Ihm in die Augen sehen. 5 CDs
Produkt-Bild: Ihm in die Augen sehen. 80 Tage in der Gewalt von Marc Dutroux

Ihm in die Augen sehen. 80 Tage in der Gewalt von Marc Dutroux von Sabine Dardenne, Marie-Therese Cuny, Eleonore Delair, Bettina Runge, Christa Trautner

Taschenbuch von Droemer/Knaur
Angebote ab EUR 6,69

4,5 von 5 Punkten
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3426778475, Erscheinungsdatum: März 2006
Zoom ± Produkt-Bild: Ihm in die Augen sehen. 80 Tage in der Gewalt von Marc Dutroux

Aus der Amazon.de-Redaktion


„Ich war zwölf, nahm mein Fahrrad und machte mich auf den Weg zur Schule. Ich heiße Sabine. Ich wohnte in einem belgischen Dorf, und auf dem Weg zur Schule bin ich verschwunden“. - So rührend lapidar beginnt der Bericht über ein Martyrium. Am 28. Mai 1996 wurde Sabine Dardenne entführt und gefangen gehalten von dem Mann, den sie in ihrem Buch nur als „Monster“ oder „Dreckskerl“ tituliert. Bis zu ihrer Befreiung befand Sabine sich achtzig Tage in den Fängen des belgischen Kinderschänders und Mädchenmörders Marc Dutroux. Acht Jahre später wirft sie einen erschütternden Blick zurück.
Der Schrecken begann in Gestalt zweier Männer in einem schäbigen Lieferwagen, die sie von ihrem Rad rissen und unter Drogen setzten. Während in ganz Belgien die Fahndung anrollt, beginnt Sabines Albtraum: Angekettet im dunklen Verlies, die modrige Matratze, Dutroux` verlogene Lösegeldstory, verzweifelte Briefe an die Eltern, die nie abgesandt werden, die gierigen Hände des Mannes mit den fettigen Haaren, die Nacktfotos. Schließlich die Vergewaltigungen (man ist dankbar für das Ausblenden der fürchterlichsten Details). 173 Seiten eines grauenhaften Protokolls zerren an den Nerven.
Dann die Befreiung. Auf Drängen Sabines nach einer „Gefährtin“, entführt Dutroux Laetitia Delhez. Doch nun ist die Polizei auf der Spur des Mannes, der wegen „guter Führung“ vorzeitig entlassen wurde. Nach der Rettung bleiben Schuldgefühle gegenüber Laetitia und Scham gegenüber den Eltern. Sabine lehnt Therapieangebote ab. Ihr simples, aber pragmatisches Rezept: Das Vergangene wird ausgeblendet. Der Selbstheilungsprozess beginnt.
Man mag es Verdrängung nennen, es funktioniert...bis zum letzten, schwersten Gang: Das Wiedersehen mit dem Peiniger und seinen Helfershelfern vor Gericht. Doch auch in dieser Extremsituation zeigt Sabine Standfestigkeit. Die ungewohnte Gerichtssituation irritiert mehr, als der Blick in Dutroux` Augen. Die Bitte um Verzeihung, geäußert von seiner Frau, verweigert Sabine. Zu groß ist der Hass. Eine Reaktion, die nach all den widerfahrenen Ungeheuerlichkeiten nur zu verständlich ist. Dutroux` Verbrechen ließen die gesamte belgische Nation bis in ihre Grundfesten erbeben. Sabine Dardennes mutige Erinnerungen fassen den Horror nachträglich in grausige Bilder. -Ravi Unger
© 1998-2009 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

5 Kundenrezensionen:

Einfach spitze
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Dieses Buch spiegelt einfach unglaublich. Während des Lesens musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass das alles Wirklichkeit ist und nicht irgend ein Film. Den Mut, den die Schriftstellerin bewiesen hat in dieser schweren Zeit, kann man deutlich beim Lesen erkennen. Es ist absolut kein Buch was man ohne Widerwillen einfach so weglegen kann. Man möchte es am Liebsten gleich durchlesen.
Zu wenig Details
3 von 5 Punkten 3 von 5 Punkten
Den Roman "Ihm in die Augen sehen" fand ich sehr gut geschrieben. Er liest sich sehr autentisch. Leider haben mir etwas die Details gefehlt. Wenn ich mir ein solches Buch kaufe, möchte ich meine Augen vor der Wahrheit nicht verschließen. Sabine beschreibt eigentlich gar nicht, was ihr Entführer mit ihr macht. Aus 2-3 Stellen kann man lesen, dass es sich um Sex handelt, viel mehr aber nicht. Ich verstehe sehr wohl, das Sabine ihr Erlebtes nicht noch einmal beschreiben möchte, doch ich hätte es mir eben erhofft, um mich besser in Sabine hinein zu versetzen können.
bewegend...
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Dieses Buch gehört zu denen, die tief bewegen und die man so schnell nicht vergisst. Ich bewundere dieses kleine Mädchen, das sich damals nicht hat unterkriegen lassen und diesem Monster die Stirn geboten hat.

Diejenigen, die reißerische Details über die Misshandlungen erwarten (oder gar erhoffen) sind aber zum Glück an der falschen Adresse.

Auf jeden Fall lesenswert!!!!
Starker Tobak
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
An den Skandal um Dutroux erinnere ich mich noch sehr lebhaft. Im Gegensatz zu vielen anderen schrecklichen Geschichten ist diese Sache auch nicht in Vergessenheit geraten. Leider gibt es Leute, die das ganze Land Belgien mit Dutroux identifizieren. Vor ca. einem Jahr habe ich auf einer Party eine Belgierin kennengelernt, und ein taktloser Mensch sagte ihr nach zwei Minuten Bekanntschaft, bei Belgien denke er immer als erstes an den Fall Dutroux... Sie hat es zum Glück gelassen aufgenommen.

Die Autorin dieses Buches ist eines der beiden Dutroux-Opfer, das überlebt hat. Sie war zwölf, als sie 1996 auf dem Schulweg gekidnappt wurde angesprungen, vom Rad gezerrt und in einen Lieferwagen geworfen. Man fühlt sich hilflos, wenn bei Sabines Schilderung klarwird, daß sie absolut keine Chance hatte. Dutroux und ein Komplize haben ihr eine Woche lang aufgelauert und einfach auf einen günstigen Moment ohne Zeugen gewartet. Schneller als ich denken konnte, befand ich mich im Innern des Kastenwagens (...). Natürlich habe ich versucht, mich zu wehren, aber ich war viel zu klein. Ich war zwölf, sah aber aus wie zehn, ein Meter fünfundvierzig, dreiunddreißig Kilo (...). Das Ganze (...) hat sicher eine Minute gedauert. Die Tips, die Kinder für solche Fälle bekommen schreien, hauen, treten -, klingen da nur noch so ratlos und untauglich, wie sie sind.

Dutroux sperrt Sabine ein und erzählt ihr eine absurde Geschichte: Er sei ihr Beschützer und würde sie bewachen, und zwar vor irgendeinem fiesen Chef, der Lösegeld von ihren Eltern fordere die könnten nicht zahlen, und deshalb müsse sie bei ihm, Marc Dutroux, bleiben. Sabine glaubt ihrem Entführer, sie glaubt ihm sogar, daß er die Briefe, die sie ihren Eltern schreibt, wirklich ihren Eltern zukommen läßt. Daß sie einem Kriminellen in die Hände gefallen ist, wird ihr nicht klar sie ist eine verängstigte Zwölfjährige, die raffiniert manipuliert wird.

Sabine haust unter menschenunwürdigen Bedingungen, Dutroux erklärt sie zu seiner neuen Frau und beginnt, sie zu vergewaltigen großzügig verwendet er dafür Gleitmittel: Er hat mich 'davor' mit einem Gleitmittel eingeschmiert: 'Wir machen das jetzt so, dann ist Ruhe. (...) Hör auf zu heulen (...) beim ersten Mal tut es eben weh. Genauer werden die Schilderungen nicht, und ich war froh darüber mir hat sich schon bei diesen Andeutungen der Magen umgedreht. Daß hier Leute das Fehlen detailgetreuer Vergewaltigungsszenen beklagen, läßt mich erschauern. Es ist doch kein Wunder, wenn Sabine darüber nicht sprechen will oder kann, und die Beschreibung ihres Martyriums ist auch ohne pornographische Einzelheiten schrecklich genug: ein enges Verlies, ein Eimer als Toilette, eine sich auflösende Schaumstoffmatratze, widerlicher Dosenfraß, Ungeziefer, zeitweise nur ein Schlüpfer als Bekleidung... Wem das nicht gruselig genug ist, dem ist nicht mehr zu helfen!

Daß Sabine nicht wahnsinnig geworden ist in den achtzig Tagen Qual, ist ein Wunder. Sie zählt die Tage und schreibt Briefe, um sich irgendwie abzulenken.

Eines Tages ist noch ein Mädchen da Laetitia, 14 Jahre alt. Sabine fühlt sich offenbar bis heute schuldig, weil sie gejammert hat Ich brauche eine Freundin zum Reden und Dutroux bei Laetitias Ankunft sagt: Ich habe dir eine Freundin mitgebracht. Vor Gericht erklärt er auch noch frech, Sabine hätte ihm keine Ruhe gelassen! Das ist natürlich Unsinn, erstens war sie kurz vor dem Verrücktwerden, zweitens war ihr noch nicht klar, was für ein Mensch Dutroux wirklich ist, und drittens hätte er Laetitia sicher auch ohne Sabines Wunsch entführt. Laetitia meint, Sabine schon einmal gesehen zu haben, und sie weiß auch, wo: Auf Fotos, mit denen mittlerweile ganz Belgien tapeziert ist. Du wirst gesucht, versichert sie ihr. Sabine glaubt ihr nicht, denn Dutroux hat ihr weisgemacht, ihre Eltern hätten sie längst aufgegeben.

Kurz nach Laetitias Entführung ist das Elend der beiden Mädchen zu Ende, denn endlich kommt die Polizei Dutroux auf die Schliche. Der Täter ist nicht einmal besonders geschickt: Er fährt ein schrottreifes Auto mit ungeheuer lautem Auspuff, also eins, das auffallen muß. Als die Polizei Laetitia sucht, erinnern sich zum Glück mehrere Leute an diesen Wagen die Polizei ermittelt den Halter und erfährt, daß dieser einschlägig vorbestraft ist. Sie finden das Versteck und die beiden Mädchen gesucht hatten sie eigentlich nur Laetitia, Sabine lebend zu finden, hatten sie schon aufgegeben.

Erst jetzt begreift Sabine, daß Dutroux sie ausgetrickst hat, daß es gar keinen Chef und keine Lösegeldforderungen gab, daß sie die ganze Zeit gesucht wurde und Dutroux ein Sadist ist. Daß sie in Lebensgefahr war, daß Dutroux sie und Laetitia höchstwahrscheinlich umgebracht und sich danach wieder neue Opfer gesucht hätte, wird ihr endgültig klar, als sie die Fernsehbilder sieht, auf denen Bagger Dutrouxs Garten umgraben. Anscheinend war es seine Strategie, immer zwei Mädchen gemeinsam zu entführen auch das zeigt, daß es allein Dutrouxs Idee war, Laetitia zu entführen und Sabine nichts damit zu tun hatte.

Die Freude ist riesengroß, als Sabine wieder da ist sie selbst hat nur ein Ziel: Ihr normales Leben wieder aufnehmen und vergessen, was ihr passiert ist. Mit 17 hat sie ihren ersten Freund, obwohl sie ihre schrecklichen Erlebnisse noch lange nicht überwunden hat. Dutroux hat sie also nicht kleingekriegt bewundernswert!

Wie ich Sabine Dardennes Aufzeichnungen entnehme, ist ihr zumindest eins erspart geblieben nämlich, daß ihr als Opfer eine Mitschuld am Geschehenen zugeschoben wurde, daß Leute behaupteten, sie habe irgend etwas an sich gehabt, das den Täter auf sie hatte aufmerksam werden lassen. Das ist also NICHT passiert, Gott sei Dank, zumindest schreibt Sabine nichts davon ich habe beim Lesen die ganze Zeit befürchtet, auf so etwas zu stoßen, diese Ansicht ist nämlich leider ziemlich verbreitet (wer's nicht glaubt, der lese meine Rezension zu Kraftzentrale Unterbewußtsein von Erhard F. Freitag und den ersten Kommentar dazu).

Einige Reaktionen sind auch so schlimm genug z. B. sagt ein Geschworener zu Laetitia: Sie hatten also Ihre Tage und behaupten trotzdem, er habe Sie vergewaltigt! Aha Menstruation ist also ein Schutz vor Vergewaltigung???

Sabine schildert ausführlich Dutrouxs Verhalten nach seiner Verhaftung der Mann erzählt jeden Tag eine neue Geschichte, präsentiert immer neue Versionen und führt alle an der Nase herum. Immer gleich bleibt nur seine Ausrede, er sei es gar nicht gewesen, habe das Opfer XY nur betäubt, den Mord begangen habe sein Komplize Sowieso usw. Am Ende glauben viele seinen Behauptungen, er sei nur ein Teil eines Netzwerks von Kinderschändern, das bis in die höchsten Kreise der Politik hineinreiche. Alles Lüge, wie sich zeigt: Dutroux hat nur eine Handvoll Komplizen, darunter seine Frau. Anscheinend hat er sich buchstäblich im Rampenlicht gesonnt und sich einen Spaß daraus gemacht, alle zum Narren zu halten. Dutroux und seine Frau Michele Martin haben übrigens eigene Kinder die sind zu bedauern, alle haben ihre Namen geändert, weil sie Schikanen ausgesetzt waren. Dabei können sie ja nun wirklich nichts für ihre Eltern und verdienen Mitleid, weil sie mit dem Wissen leben müssen, Kinder von Schwerverbrechern zu sein.

Es dauert 8 Jahre, bis Dutroux endlich der Prozeß gemacht wird, Sabine ist mittlerweile erwachsen und schafft es, ins Gericht zu gehen und ihrem Peiniger in die Augen zu sehen. Sie begegnet auch einer Frau, deren Tochter vermißt wurde die Mutter glaubte, sie sei Dutroux in die Hände gefallen. Wie sich erst 2004 herausstellt, war es in diesem Fall nicht Dutroux, sondern Fourniret, ein anderer Perverser. Der hat seine Opfer freundlicherweise gleich umgebracht und sie nicht noch monatelang traktiert.

Was an dieser Geschichte so wütend macht, ist, wie Sabine sagt, der Wiederholungsfall - die Tatsache, daß Dutroux kein unbeschriebenes Blatt war. Er war mehrfach vorbestraft und wurde trotzdem vorzeitig wegen guter Führung aus der Haft entlassen. In seinem Fall hatte sich nicht einmal ein Gutachter geirrt und eine falsche günstige Sozialprognose abgegeben nein, der Gefängnispsychologe hatte ausdrücklich GEGEN Dutrouxs Freilassung votiert. Warum kommen solche Leute wieder frei? Es zeugt wirklich von einer erschreckenden Weltfremdheit, wenn man sie für therapierbar hält. Und selbst wenn sie therapierbar wären und keine Gefahr mehr darstellten: Ihre Schuld ist so groß, daß sie verdienen, den Rest ihres Lebens hinter Gittern zu verbringen. Ich gehöre keineswegs zu den Stammtisch-Politikern, die nun nach dem Henker rufen und eine Wiedereinführung der Todesstrafe fordern, aber: Wer für die Resozialisierung solcher Leute ist, der muß sich fragen lassen, ob er so jemanden gern als Arbeitskollegen oder Nachbarn hätte...

Hoffnungslos naiv und unrealistisch wirkt die geäußerte Hoffnung, Fälle wie der von Dutroux würden sich nicht wiederholen. Leute wie Dutroux, Fourniret, Fritzl und Konsorten wird es immer geben, solange gefährliche Psychopathen mit Bewährungsstrafen davonkommen da hilft kein Weißer Marsch, sondern nur längere Haftstrafen, Sicherheitsverwahrung und, wenn man tatsächlich jemanden wieder freiläßt, lebenslange Überwachung. Dutroux hat sich im Knast gut geführt, aber nicht aus Reue oder Einsicht, sondern nur, um bald wieder rauszukommen und seinen Neigungen weiter nachgehen zu können, und zwar mit dem Ziel, diesmal nicht erwischt zu werden. Und daß er 1998 aus der Haft fliehen konnte, zeigt ja auch, daß er nicht allzu streng bewacht wurde. Da fragt man sich: Was muß denn noch passieren?
Bewundernswert
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Ich hab das Buch mittlerweile schon mehrmals gelesen.. Wer eine detailierte beschreibung des grauens will ist hier zum Glück falsch.. auch ohne eingehende details ist es eine erschütternde geschichte..Ihm in die augen sehn und den Teufel besiegen.. Ohne sich vor jede Kamera zu schmeißen wie manch andere..
© 1998-2009 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften